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Hilary and Jackie - Emily Watson
Hilary and Jackie - Emily Watson
© Filmgalerie 451

Kritik: Hilary and Jackie (1998)


Filmgeschichten, die das Leben schrieb, scheinen bei diversen Festivals und Wettbewerben zumeist schon aufgrund ihrer "Originalität" zwangsläufig preisverdächtig. Oder was gibt es schöneres, wenn eine Schauspielerin eine glitzernd-goldene Trophäe entgegennimmt, Handküsse zur Charaktervorlage ihrer Rolle ins Publikum wirft, Rührung, Stolz, danach die Pressekonferrenz, zumeist steinalt sitzt die Echte neben der Kopie, verleiht das Authentizitäts-Gütesiegel und promotet den Film unter Tränen: "Ja, genau so war´s!". Ja, genau so war sie, die Geschichte von Hilary und Jackie du Pre, zwei musikalisch begnadeten Schwestern, von denen sich die eine zur gefeierten Cellistin entwickeln, die andere Qürflöte gegen Ehemann, Haus und Herd eintauschen wird. Hilary und Jackie verbindet schon in jungen Jahren eine scheinbar unerschütterbare Geschwisterliebe und dennoch sind Rivalitäten und Eifersüchteleien ständig spürbar. Wer spielt besser? Wer ist erfolgreicher? Nur wenige Jahre später werden diese "kindischen" Fragen existenzieller, aber beileibe nicht einfacher. Wer hat das bessere Leben? Und, vor allem, wer ist glücklicher? Jackie, die sich vordergründig für etwas besonderes hält, von Konzerthaus zu Konzerthaus reist, im Applaus des Publikums badet und -Selbstgespräche mit ihrem Cello führt? Hilary, die schlicht und einfach glücklich verliebt, verlobt, verheiratet ist -und letztendlich ihren Gatten mit der Schwester teilen soll? In "Hilary und Jackie" liegen Glück und Unglück immer beängstigend dicht beeinander, musikalischer Triumph und verstimmte Saiten, Familienidylle und nervenzerreissende Schicksalsschläge. Autorisiert von der "leibhaftigen" Hilary du Pre portraitiert der Film eine musikbestimmte Lebensgeschichte aus zwei (!) Perspektiven und ist damit weit mehr als ein blosses Musikerportrait. Regisseur Anand Tucker greift oft ausufernd auf den gesamten Reigen instrumentaler und instrumentalisierter Filmgestaltung zurück, und orchestriert trotzdem in erster Linie die Beziehung von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nicht zuletzt durch die für alles entschädigende schauspielerische Darstellungskraft von Emily Watson und Rachel Griffiths bleibt "Hilary und Jackie" der Film, der er von Anfang an zu sein schien - eine Geschichte, die scheinbar das Leben schrieb, oscarverdächtig, und selbst wenn's nur bei Nominierungen blieb mit Garantie für bewegend "echte und originelle" Momente.





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