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10 Dinge, die ich an dir hasse
10 Dinge, die ich an dir hasse

Kritik: 10 Dinge, die ich an dir hasse (1998)


Jetzt stürzen sie sich wieder auf die Klassiker: Schon "Clueless" war ein Remake von Jane Austens "Emma", "Eine wie keine" recycelte George Bernard Shaws "Pygmalion", und "Eiskalte Engel" verlegte Choderlos De Laclos' Skandalroman "Gefährliche Liebschaften" an die High School. Und nun das: "10 Dinge die ich an Dir hasse" soll die moderne Teenager-Variante von William Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" sein.

In Folge dessen gehen unsere von Hormonen überfluteten Pennäler auf die "Padua High", heißen mit Nachnamen Verona oder Stratford, lernen im Englischunterricht Shakespeares Sonette, und Kat und Patrick sind natürlich Pseudonyme für Katarina und Petruchio. Im Übrigen gehorcht aber auch dieser Streifen jener altbekannten High-School-Filme-Formel, die eine fesche Party-Szene, den großen Abschlussball und jede Menge überflüssige Verwicklungen in Sachen Sex und Liebe fordert.

Zumindest blicken wir zur Abwechslung in ein paar unverbrauchte Gesichter: Die jugendlichen Nachwuchsmimen sind allesamt noch keine großen Teenie-Stars, könnten jedoch bald welche werden – zumal der heute 20-jährige Heath Ledger, ein Australier, zurzeit für Roland Emmerichs Historiendrama "Patriot" an der Seite von Mel Gibson vor der Kamera steht.

Erfreulich bissig sind – zumindest für US-Verhältnisse – die mit Anspielungen und Doppeldeutigkeiten gespickten Dialoge. Zusammen mit diversen netten Gags und dem sehr ansehnlichen Ensemble gelingt es diesem Teenie-Film manchmal sogar, sich aus dem Sog der formelhaften Story zu befreien und ein Eigenleben zu entwickeln.
Kurzum: Misst man den Streifen an den vielen anderen Vertretern dieses abgenutzten Genres, sind die "10 Dinge, die ich an Dir hasse" beinahe schon ein kleiner Lichtblick.

Rico Pfirstinger

--Charmantes Schema X--

"Der Widerspenstigen Zähmung", so hieß eines von Shakespeares lockereren Stücken. Bei "10 Dinge, die ich an dir hasse" dient dieses Stück als Hintergrund. Im Nebensatz, oder auch ein Mal vom schwarzen Literaturlehrer dahergerappt, erscheint der Frühmeister des intelligenten Entertainments dann auch dann und wann mal, doch sonst handelt es sich hier um die Dramaturgie einer grundsoliden Teenie-Romanze.

Dies gibt natürlich viel Grund zum Meckern: Nur Stereotypen finden den Weg auf den Schulhof, die Witze funken vielleicht zu 40 % (es sei denn, man zählt sich zur angesprochenen Hauptzielgruppe), die Story ist bis ins letzte Detail vorhersehbar konstruiert und man hat alles schon einmal gesehen.

Dennoch gab es einen weisen Hessen 3-Kritiker namens Jürgen Kritz, der einmal vollkommen zurecht fragte, warum man denn auf ein filmisches Leichtgewicht mit harten Kritikergeschützen feuern sollte. Betrachten wir den Film doch einmal aus anderem Blickwinkel: Was hat er denn bewirkt?

Nun, das charmante Spiel der (echt jugendlichen!) Darsteller, mehrere wiedererkennende Momente, die man so aus seinem eigentlichen Schulleben nicht wegdenken könnte, ein gehöriger Schuss Märchen, das alles bewirkt Spaß auch bei mäßigem Drehbuchergüssen. In einer Szene verdreht der Film seine Vorhersehbarkeit und seine Unglaubwürdigkeit sogar in einen Pluspunkt: Der verliebte Patrick fährt gleich die komplette Blaskapelle auf, um seiner Geliebten mitten auf dem Trainingsplatz vor der Damenfußballmannschaft voller 50er Schmacht gesangstechnisch seine Liebe zu gestehen.

Aber eigentlich muss das für den intelligenten Kritiker ein Graus sein. Scheinbar bin ich kein solcher, denn den Film über bekam ich dieses typische Grinsen nicht vom Gesicht, welches klar darauf hinweist, dass ich gerade an 'Der Volltreffer', 'Ferris macht blau' und 'Breakfast Club' denke. Der Film vollbrachte es, mich wieder in die Schulzeit zurückzuversetzen, natürlich in die auf die fröhlichen Momente zurechtstilisierte.

Dennoch, sehr romantisch wirkt der Film nicht, er erinnert nur daran, dass er früher einmal sehr romantisch und lustig gewirkt hätte. Zudem schaffen es die Schauspieler so etwas wie Frische und Eigenständigkeit in die vorhersehbare Handlung zu bringen. Aber gerade diese Vorhersehbarkeit kann recht schön sein: So weiß man wenigstens ganz genau, wie es ausgeht, und konzentriert sich auf die wirklich schönen Sequenzen.

Vielleicht ist er deswegen auch für andere einen Blick wert. "10 Dinge, die ich an dir hasse" ist einer dieser Filme, die unterhaltsam sind, dann aber auch nach 10 Minuten wieder vollkommen aus dem Gehirn verbannt werden. Und geben wir es zu, manchmal sehnen wir uns nach solch' kleinen Märchen, sonst gäbe es nicht für jede Generation neuerliche Aufgüsse des gleichen Themas. Wenn dann auch noch die Musikauswahl so gut stimmt, wie bei diesem einen unter vielen, dann darf ich ohne allzu viel Schamesröte gestehen:

Ja, ich fands unterhaltsam: Schuldig in allen Punkten der Anklage.





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