VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Ungeküsst
Ungeküsst
© 20th Century Fox

Kritik: Ungeküsst (1999)


Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass man sich als Erwachsener recht schnell in die Teenie-Zeiten zurückwünscht. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen subtrahiert man gerne die negativen Aspekte aller Erinnerungen, zum anderen werden die schon damals recht heftigen Probleme der Selbstfindung nicht unbedingt einfacher, je älter man wird.

Bei der Lektorin Josie ist das etwas anders. Ihre Highschool-Zeit war eine einzige Oase negativer Erinnerung. Nur nicht wieder diese alltägliche Peinigung durch die hippen Mitschüler! Denn diesen einen Aspekt, den wir gerne aus unserem Gedächtnis verstoßen, bekam sie jeden Tag zu spüren: Niemand kann grausamer sein, als pubertierende Schüler.
Als Josie nun den Auftrag bekommt, ihren ersten Artikel zu schreiben –es ist gleich ein Aufhänger- freut sie sich etwas zu früh. Denn an ihrem Aussehen und ihrem Leben hat sich seit der Highschool zu wenig geändert, als dass sie als verdeckter Ermittler von der Oberclique einer Abschlußklasse akzeptiert werden könnte, und genau über die soll sie schreiben.

"Ungeküsst" ist ein Film über eine graue Maus, die durch eine zweite Chance als Teenager endlich zu sich selbst findet. Dabei muss sie aber den harten Weg gehen, den man an einer amerikanischen Highschool anscheinend gehen muss: Sie darf sich von der absolut untersten Position, in der Gruppe der gehirnstarken Looser, bis zum Posten der Abschlussball-Königin durchkämpfen, um dann einzusehen, dass der Platz an der Sonne nichts anderes als eine schöner, bunter Plastikballon ist, der früher oder später zerplatzen wird.

Soviel zur Geschichte eines durch und durch konstruierten Filmes. Es ist schon erstaunlich, wie viel man vorausahnen kann, welche Plotpoints einen so gar nicht mehr überaschen wollen und was man so alles von seiner eigenen schulischen Zeit in die abstrakten Schülerstereotypen hineinprojeziert.

Gerade die erste Stunde, die vom Humor her so gar nicht überzeugen will, legt eine negative Kritik nahe. Da wird ein Klischee nach dem anderen abgehakt, während der Zuschauer mit Josie die schlimmsten Peinlichkeiten verleben darf. Zu lachen gibt es da wenig. Wenn man aber selbst einmal im Kreuzfeuer der coolen Typen gestanden hat, versinkt man allzu gerne und oft mit der Hauptfigur schamesrot im Sessel. Unterhaltsam ist das nur bedingt. Dazu ist der Plot so konstruiert, dass sich die Hauptdarstellerin immer wieder selbst in diese Situationen hineinmanövriert. Warum soll man da noch mitfühlen? Die Antwort erscheint überraschend einfach: Weil die Hauptdarstellerin Drew Barrymore ist.

Es gib momentan kaum eine Schauspielerin mit solchem Glamour- und Starappeal, wie es Barrymore an den Tag bringt. Die –besonders in diesem Film wieder- im Vergleich zur Konkurrenz recht gewichtige 24jährige kann eine Szene mit nur einem Blick an sich reißen. Und gerade "Ungeküsst" ist scheinbar ganz allein auf ihren Charme hin aufgebaut worden. Sie trägt den Film von der ersten bis zur letzten Sekunde. Nebenfiguren wie David Arquette vermögen der zweiten Hälfte zwar auch so Pep und Charme verleihen, aber ohne Barrymore, die den Zuschauer auch im langatmigen Part mit sich reißen kann, würde "Ungeküßt" schnell wieder in der Versenkung verschwinden.

So aber beginnt der Film zu wirken. Er liefert zum Ende hin dazu noch ein paar herrliche Momente und vermag mit dem obligatorischen Kuss doch noch eins draufzusetzen:

In seiner Inszenierung wirkt dieser nämlich ehrlicher, als alle anderen, findet er doch in einem wunderbar voyeuristisch-offenen Rahmen statt und bewirkt genau das, was sich Josie von Anfang an wünschte: Alles um sie herum verschwindet in der Unschärfe der Kamera. Hier beweist sich nicht nur das Anliegen, jemanden beim großen Kuss zuschauen zu lassen, sondern auch die Taktik hinter einem der einfachsten Star-Vehikel, die es in den letzten Jahren zu geben gab: Für uns als Zuschauer ist das alles nur ein kleiner Tagtraum.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.