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Kritik: Die letzten Tage (1998)


Natürlich entziehen sich Filme wie dieser der Beliebigkeit feuilletonistischen Geplauders, das ansonsten neue Filme journalistisch begleitet. "The Last Days" ist der erste Kino-Dokumentarfilm der von Steven Spielberg ins Leben gerufenen Survivors of the Shoah Visual History Foundation. Portraitiert werden fünf Juden, die in ihrer Jugend den Holocaust in Ungarn überlebt haben und heute als amerikanische Staatsbürger in den USA leben. Fünf Menschen, das sind eine Lehrerin, ein Geschäftsmann, eine Künstlerin, ein amerikanischer Kongressabgeordneter und eine Großmutter. Der Film setzt sich zusammen aus Interviewsequenzen von heute, Aufnahmen von Besuchen der Fünf in ihrer früheren Heimat und den KZ-Gedenkstätten sowie verschiedenstem historischen Bildmaterial, mit dem die Erinnerungen der Überlebenden visuell unterstützt werden. Die fünf Betroffenen sind im übrigen die einzigen, die im Film (außer einem KZ-Arzt und amerikanischen Soldaten, die die KZ’s befreit haben) zu Worte kommen. Auf jedweden Kommentar wurde verzichtet.

Der Titel des Films bezieht sich auf die letzten Wochen und Tage des Zweiten Weltkrieges. Zu dieser Zeit stand für Hitler und die Wehrmachtsführung längst fest, dass der Krieg verloren war. Durch Kapitulation und Friedensbemühungen hätten die Nazis in gewisser Weise so etwas wie das Gesicht wahren können. Stattdessen waren sie wie besessen gerade von dem zweiten Krieg der in jener Zeit geführt wurde: dem gegen die Juden. So wurde in der Tat Ungarn erst gegen Ende des Krieges besetzt. Unter Hintanstellung anderer Kriegsziele wurde der industrielle Massenmord an den ungarischen Juden forciert.

Die fünf Überlebenden des Films waren zur Zeit ihrer Deportation nach Auschwitz und in andere Lager Kinder bzw. Jugendliche. Was sie eint, ist die Detailfülle und Präsenz ihrer heutigen Erinnerungen, wie, und das ist vielleicht das Erschütterndste des Films, ihre tiefe Menschlichkeit und Versöhnungsbereitschaft. Fünf Einzelschicksale, die über das Grauen viel mehr aussagen als Statistiken, weitschweifige historische Betrachtungen von Wissenschaftlern etc., und die über der Verarbeitung ihrer unglaublichen Erinnerungen nicht weltabgewandt verbittert sind, sondern bei dem im Gegenteil jede(r) für sich eine tiefe Güte und Wärme ausstrahlt.

Der bewegende Film erhielt im vergangenen Jahr den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Etwas störend sind leider die oft unleserlichen Untertitel in der deutschen Fassung.




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