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Kritik: Das Fest (1998)


"Ein Film sollte sein wie ein Stein im Schuh. Prost." Auf diese simple Formel brachte es Lars von Trier 1987 in "Epidemic". Seither hat das dänische Kino eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. In dem mittlerweile berühmten Zehn-Punkte-Manifest "Dogma 95", das Lars von Trier mit seinen Regiekollegen Thomas Vinterberg, Christian Levring und Søren Kragh-Jacobsen verfaßt hat, hört sich alles etwas durchdachter und ernster an. In ihrem "Schwur der Keuschheit" haben die dänischen Puristen die "Regeln des zeitgenössischen Filmemachens" festgelegt. Und sich selbst zum Nabel der Filmwelt erklärt.
"Das Fest" ist der insgesamt zweite Dogma-Film und der erste, der das Licht der deutschen Kinoleinwände erblickt. In Cannes erhielt er in diesem Jahr auf Anhieb den "Spezialpreis der Jury". Wohlverdient, denn der erst 28jährige Regisseur Thomas Vinterberg begreift die dänischen Dogmen nicht als Restriktionen, sondern als Inspiration. Auf Video und mit Handkamera gedreht, kommt der Film ganz ohne künstliches Licht und Kulissen aus. Die Leistung von Vinterberg, unter diesen Low-Budget-Bedingungen einen wirklich großen Film zu drehen, kann gar nicht überschätzt werden.

"Das Fest" ist Familiendrama pur. Was als leichte Sommerkomödie beginnt, wächst sich schnell zu einer Tragödie Shakespearschen Zuschnitts aus. Trotz der zahlreichen und offensichtlichen Anleihen an Bergmans "Fanny und Alexander" findet Vinterberg schnell zu einem eigenen Ton. Dabei unterstützen ihn großartige Schauspieler (mit denen er größtenteils schon in seinem Erstling "The Greatest Heros" zusammenarbeitete), die sich frei und ohne auf irgendwelche Lichtmarken achten zu müssen, vor der Kamera bewegen. Dazu treibt ein wie entfesselt wirkender Schnitt die Handlung gnadenlos voran.
Unter der Oberfläche brodelt es. Der Schein der Familienidylle trügt. Der 60. Geburtstag des Familienoberhaupts wird die Demontage des Patriarchen
einleiten. In dem fragilen Beziehungsgeflecht zeigen sich Risse, die das Schlechteste hervorbringen: Rassismus, sexuelle Gewalt und Heuchelei. Irgendwann liegen die Nerven blank und die Seelen sind so offen, wie es die Form des Films suggeriert.
Vor der Handkamera von Kameramann Anthony Dod Mantle gibt es kein Entrinnen. Sie ist unmittelbar am Geschehen dran und zeichnet schonungslos und unbarmherzig auf. Daraus entsteht eine "dichte" Atmosphäre, die den Zuschauer packt und ihn bis zum Ende des Films nicht mehr los läßt. "Das Fest" ist ein Filmerlebnis. Von wegen, das zeitgenössische Kino hat nichts mehr zu sagen! Die Dogma 95-Macher beweisen nur, daß die Zukunft des
Films nicht unbedingt in Special Effects und digitaler Bildbearbeitung liegt, sondern in der Konzentration auf das, was wichtig ist: die Möglichkeiten des Mediums zu begreifen!





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