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Cookie's Fortune - Aufruhr in Holly Springs
Cookie's Fortune - Aufruhr in Holly Springs
© Arthaus

Kritik: Cookie's Fortune - Aufruhr in Holly Springs (1998)


Es gibt sie also noch: eine durchweg gelungene Komödie ohne dumme Faxen oder Sperma im gestylten Haar. Robert Altman, der Meister des Ensemble-Films, übertrifft sich mit "Cookie's Fortune" selbst und zeichnet ein gewitztes Gesellschaftspanorama, wie man es sich nicht besser wünschen könnte.

Ort des Geschehens ist das Städtchen Holly Springs, ein kleines Kaff am Mississippi. Hier siedelt Altman seine geniale Mixtur aus Kleinstadtballade, Krimifarce und Sozialsatire an – doch was nach kalter Analyse klingt, ist in Wirklichkeit ein liebevoller Film mit Charakteren, die tatsächlich noch Charakter haben.

Das bunte Star-Ensemble, das Robert Altman hier um sich versammelt hat, ist perfekt aufeinander eingespielt. Kein Wunder: Während der Dreharbeiten lebten und arbeiteten die Schauspieler im echten Holly Springs – nein, nicht in aufwändigen Hotels, sondern als Untermieter bei gewöhnlichen Familien. Glenn Close etwa fuhr jeden Tag mit ihrem Fahrrad zu den Dreharbeiten. Es dauerte nicht lange, und die gesamte Filmcrew war ein Teil der liebenswert verschlafenen Gemeinde.

Das von Anne Rappe brillant geschriebene Drehbuch ist die Grundlage des Films, und Altman erweist sich seines Stoffes mehr als würdig: das Timing, die Nuancen – alles perfekt. Unter der souveränen Anleitung des Altmeisters liefern hier sämtliche Akteure Spitzenleistungen ab.

Ja, so sieht gutes Kino aus: eine Geschichte, die es in sich hat, dazu Figuren, an denen man sich kaum satt sehen kann. Und dabei wird der Film mit einer Präzision und Leichtigkeit serviert, die ihresgleichen sucht. Alles und jeder sind miteinander in Verbindung, die an sich recht komplexe und von trockenem Humor geprägte Story aber schreitet mit einer solchen Selbstverständlichkeit voran, dass man sich unwillkürlich fragt: Wie hat er das gemacht?
© Rico

Knapp 10 Jahre liegen sie altersmäßig auseinander, Amerikas letzte große Autorenfilmer Woody Allen und Robert Altman. Und während der jüngere der beiden nach wie vor seine Großstadtfilme mit Wut, Spott und bissiger Ironie versieht, scheint Robert Altman sich langsam etwas Altersweisheit und den dazugehörigen gnädigen Blick zu gönnen. In der Tat gibt es nämlich einen Grund, von "Cookies Fortune" enttäuscht zu sein. Seinen berüchtigten Sarkasmus, sein bitteres Menschenbild und seinen gesellschaftlichen Pessimismus - also all das, was den berüchtgiten Altman-Touch ausmacht - verkneift sich der Meister hier. "Cookies Fortune" ist von einem gänzlich anderen Geist beseelt. Der Film ist voller Ruhe und Gelassenheit und schlägt jederzeit einen wunderbar warmherzigen Ton an. Dabei spielt die Geschichte im Süden der USA , in einem Kaff irgendwo am Mississippi, wo der Rassismus zwar vordergründig überwunden scheint, latent jedoch stets lauert.

Hier, in Holy Springs, verbringt die alte Cookie in ihrer Villa, umgeben von Erinnerungsstücken an ein erfülltes Dasein, ihren Lebensabend. Einziger Mitbewohner ist der schwarze Hausmeister Willis, zu dem eine lange Freundschaft besteht. Nicht nur diese Freundschaft, sondern überhaupt Cookies ganzer Lebenswandel, wird von ihren beiden Cousinen Camille und Cora, die die lokale Theatertruppe organisieren, argwöhnisch beäugt. Die einzige Verwandte, die Cookie wirklich liebt, ist Emma, die Tochter von Cora, die es gerade nach einem mißlungenen Fluchtversuch erneut in die Einöde von Holy Springs verschlagen hat.
Die tragi-komischen Ereignisse nehmen ihren Lauf, als Cookie, die den Tod ihres Mannes nie überwunden hat, sich entschließt ihrem Leben ein Ende zu setzen. Das Stigma des Selbstmordes in der Familie können Camille und Cora, die Cookie finden, nicht ertragen und arrangieren den Tatort um, sodass die Polizei von einem Raubmord ausgehen muss. In Verdacht gerät ausgerechnet Cookies Vertrauter Willis. der vom örtlichen Sheriff mit schlechtestem Gewissen, die beiden sind Angelfreunde, verhaftet wird. In der Zelle beteuert Willis ein ums andere mal seine Unschuld. Aber für schuldig hält ihn sowieso niemand. Und so entwickelt sich Willis Zelle schnell zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt in Holy Springs. Es wird Scrabble gespielt, gewettet und getrunken, und Emma fleht die vorhandenen Gesetzeshüter geradezu an, sie doch auch zu verhaften und Tag und Nacht bei Willis zu lassen. In Cokkies Villa werden die Recherchen des Sheriffs derweil konsequent von Camille und Cora sabotiert.....

"Cookies Fortune" ist Altmans bester Film seit "Short Cuts". Obwohl von anderem Tonfall, ähneln sich die Filme auch. Beides sind klassische Ensemblestücke, die die Aufmerksamkeit auf eine Fülle von höchst originellen Personen lenken. Beschwingt und großherzig wird dabei ein beschauliches Kleinstadtpanorama eingefangen. Es ist eine kleine Welt, in der kleine Gesten die Menschlichkeit hochhalten. Dass all dies genau so zum Ausdruck kommt, ist natürlich der wunderbar leichten Inszenierung Altmans zu verdanken. Prächtig unterstützt wird das filmische Meisterwerk von einen grandiosen Soundtrack voller pulsierendem Delta-Blues von David Steward.
© Thomas





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