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Being John Malkovich
Being John Malkovich
© United International Pictures

Kritik: Being John Malkovich (1999)


Seit gut zwei Jahren hält er nun an, und ein Abflauen ist nicht in Sicht. Die Rede ist vom ungebrochenen Höhenflug des amerikanischen Films. Das Erstaunliche ist dabei, dass die unterschiedlichsten und waghalsigsten Genrevariationen eines gemein haben, eine für Hollywood ungewöhnliche Ernsthaftigkeit. Das gilt für elegische Meditationen über den Tod und die Liebe ("Der schmale Grat" / "Rendezvous mit Joe Black") ebenso wie für ätzende Sozial- ("Happiness" / "American Beauty") oder Politsatiren ("Fight Club" / "Three Kings") sowie für verstörende Tragödien ("Magnolia" / "Insider"). In diesen Reigen höchst bemerkenswerter Filme gehört durchaus auch - obwohl mit Abstrichen - "Being John Malkovich". Auch die kafkaeske Groteske des jungen Spike Jonze fällt wohltuend aus dem Rahmen des Mainstream und beschreitet vor allem inhaltlich Neuland. Die Geschichte sprudelt nur so über vor skurrilen und geistreichen Einfällen, die nachzuerzählen ebenso schwierig wie spielverderberisch wäre. Soviel zur Ausgangslage:

Craig und Lotte Schwartz frönen einem eher unkonventionellen Lebenswandel, ihrem Späthippie-Dasein angemessen. Er ist ein nicht allzu erfolgreicher Puppenspieler, sie umsorgt in einem kleinen Geschäft Haustiere. Man lebt von Luft und Liebe, es mangelt an kaum etwas... außer an Geld. Weniger aus Überzeugung als aus zähneknirschender Einsicht in die bittere Notwendigkeit beschließt Craig eines Tages, sich nach einem Bürojob umzusehen. Eine Anzeige verspricht das Ende aller finanziellen Sorgen. Noch am selben Tag betritt er einen seriös wirkenden Wolkenkratzer in der Innenstadt. Umgehend beginnen die Merkwürdigkeiten. Die Firma von Craigs potentiellen Arbeitgebern residiert nämlich in der siebeneinhalbten Etage. Diese gibt es tatsächlich, mit einer Raumhöhen von ca. 1.20 m. Aber - und damit nehmen die Absonderlichkeiten ihren Fortgang - "sich bücken heisst Miete drücken", verkündet aufgeräumt der steinalte Chef des schrillen Ladens. Das Verrückteste entdeckt Craig einige Zeit später, an seinem ansonsten von weitgehend sinnfreier Aktenschieberei gekennzeichneten ersten Arbeitstag. Hinter einem Büroschrank befindet sich eine kleine Tür, die in einen höhlenartigen Gang führt, der seinerseits direkt...und jetzt Achtung...in das Gehirn von John Malkovich führt. Wer sich also hinter die Pforte begibt, erlebt die Welt, wenn auch nur für eine Viertelstunde, durch die Augen und Gedanken des berühmten Schauspielers. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Dies ist freilich nicht viel mehr als die Exposition einer Geschichte, die in der folgenden Stunde immer rasantere Purzelbäume schlägt.

Selten wurde die keinesfalls neue Ausgangsidee des Films, der Wunsch einmal jemand anders zu sein, dermaßen originell angegangen. Die schier berstende Fülle famoser Drehbucheinfälle hätte für ein halbes Dutzend Geschichten gereicht. Die Darsteller sind prächtig aufgelegt, und John Malkovich zieht sich selbst genüsslich durch den Kakao. Gänzlich ungetrübt ist das Filmvergnügen dennoch nicht. Regie und Bildgestaltung sind nämlich seltsam brav und bieder, was bei dem inhaltlichen Feuerwerk natürlich besonders auffällig ins Gewicht fällt.

Thomas

Puppet on a string: Das ist das Lebensmotto von Craig Schwartz, dem arbeitslosen Künstler aus New York, dessen Träume und Sehnsüchte sich allein im Universum seines Puppenspiels erfüllen. Craig findet schließlich einen surrealen Arbeitsplatz im siebeneinhalbten Stock eines Bürogebäudes, wo er die Ablage der Akten neu organisiert.

"Being John Malkovich" ist ein gewagter Film, der viele Themen streift, und deshalb manchmal etwas überladen wirkt. Terry Gilliam ("Monty Python") stand ganz offensichtlich Pate, doch die von Regisseur Spike Jonze mit vielen ernsten Untertönen angereicherte Komödie ist nicht so überdreht und grandios ausgestattet wie "Brazil" oder "12 Monkeys".

Die Welt mit anderen Augen sehen, in einen fremden Kopf eintauchen, als innere Stimme wirken – und dann zum Puppenspieler werden und den besetzten Geist am Ende übernehmen. Die Durchführung dieses Gedankenspiel steht letztendlich im Mittelpunkt des Films, der sich mit einem Tor in eine andere Welt befasst. Eine ménage à trois in Zweisamkeit – von solchen Widersprüchen lebt dieser höchst originelle, für drei Oscars nominierte Film, der viel Konfliktstoff abarbeitet. "Being John Malkovich" ist einfallsreich und ungewöhnlich – und wird schon deshalb nur ein kleines, aber feines Publikum erreichen.





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