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Kritik: Gods and Monsters (1998)


Die Grenze zwischen Monstrosität und Göttlichkeit verschwimmt in dieser fabelhaften, 1999 mit dem Drehbuch-Oscar ausgezeichneten Filmbiografie über den Regisseur James Whale – den Mann, der Frankenstein unsterblich machte. Man braucht kein Genre-Fan zu sein, um dieses meisterhafte Bio-Pic aus vollen Zügen zu genießen – zumal in Hollywood, nachdem man ein paar Drinks zu sich genommen hat, die Götter und die Monster ohnehin nicht mehr zu unterscheiden sind.

Der britische Theater-Star Ian McKellen trägt den Film mit seiner überragenden Präsenz und nuancierten Darstellung eines schwer kranken Außenseiters. Besser als er in dieser Rolle kann ein Schauspieler nicht werden: McKellens Kunst für sich genommen rechtfertigt schon den Eintrittspreis.

Doch „Gods und Monsters“ ist mitnichten eine One-Man-Show: Lynn Redgrave überzeugt als treue ungarische Haushälterin, und Brendan Fraser aus „Die Mumie“ kann hier ein für alle Mal beweisen, dass er auch für das Drama-Fach geeignet ist.

Bill Condons außerordentlich gelungener Film erzählt die letzten Monate im Leben von James Whale. Die anrührende, schmerzvolle und oftmals auch komische Beziehung zu dem attraktiven, aber homophoben Gärtner Clayton (Fraser) ruft Erinnerungen an Richard Kwietniowskis „Love and Death on Long Island“ mit John Hurt und Jason Priestley wach: Der hoch gebildete, alternde Brite wird zum Mentor eines jungen, ungeschliffenen Amerikaners.

In geschickt gemachten Rückblenden setzt Regisseur und Drehbuchautor Condon auf ganz wunderbare Weise auch das Werk des visionären Filmemachers Whale mit dessen Leben und Leiden in Beziehung. „Gods and Monsters“ ist nicht nur eine Liebeserklärung an das alte Hollywood, sondern auch eine faszinierende Komödie über den Tod.

Rico Pfirstinger

Spät, aber natürlich nicht zu spät, kommt dieses filmische Kleinod bei uns in die Kinoauswertung. Bereits vor zwei Jahren entstanden, erhielt Regisseur und Autor Bill Condon im vergangenen Jahr für "Gods and Monsters" völlig zu Recht den Drehbuch-Oscar. In der Tat kommt dieser klassische amerikanische Autoren/Independent-Film höchst skurril und originell daher. Bei aller Verschrobenheit von Geschichte und Charakteren gibt sich Condon aber an keiner Stelle selbstgefällig artifiziell, sondern hat vielmehr stets sein Publikum im Blickwinkel, und in diesem Sinn einen wunderbaren Film von prächtigem Unterhaltungspotential geschaffen.

Dabei geht es (und man traut es sich kaum zu erwähnen, da die diffuse Begrifflichkeit im Zusammenhang mit Filmgeschichten in letzter Zeit arg überstrapaziert wurde) einmal mehr um eine wahre Geschichte, die der Autor allerdings künstlerisch frei ausgeschmückt hat. Erzählt werden die letzten Wochen und Tage im Leben von James Whale. Der Regisseur der beiden berühmten (Ur) Frankensteinfilme wurde 1957 unter mysteriösen Umständen tot in seinem Swimmingpool aufgefunden. "Gods and Monsters" erkundet die Umstände seines tragischen Ablebens.

Seit Jahren zehrt der britische Filmregisseur James Whale vom verblassenden Ruhm seiner kreativen Hoch-Zeit. Seine beiden Frankensteinfilme entstanden in den 30er Jahren. Vom Hollywoodrummel enttäuscht bis angewidert, hat er sich in seine komfortable Villa zurückgezogen, die er sich mit seiner Haushälterin teilt. Die Probleme mit dem Filmbetrieb erklären sich nicht zuletzt aus Whales freimütig bekannter Homosexualität. Seine Einsamkeit und seine schleichende Gebrechlichkeit versteckt der vormals fidele Lebemann in letzter Zeit hinter Gelassenheit und Ironie.

Der alte Herr wird aus seine Lethargie gerissen, als ein neuer Gärtner sich seines Anwesens annimmt. Whale lädt Boone, einen ebenso einfältigen wie attraktiven Zeitgenossen, in sein Haus ein. Zunächst ist der junge Mann skeptisch, erst recht, als er gebeten wird, für Portraitstudien Model zu sitzen. Aber schon bald lichtet sich auf wundersame Weise das Misstrauen, und die beiden gänzlich verschiedenen Männer freunden sich an. Boone spürt, dass es dem kränkelnden Filmregisseur und jetzigem Hobbymaler gar nicht um sexuelle Eroberung geht. Was er freilich nicht ahnt, ist, dass Whale in der Tat einen Plan mit ihm hat. Der alte Künstler möchte nämlich eine letzte Inszenierung hinkriegen, und zwar die seines eigenen Ablebens, und für seinen Gärtner hat er dabei die Rolle des Todesengels vorgesehen.

Es ist schon ein Jammer, dass ein so rundum gelungener, köstlicher und stilvoller Film so zögerlich unters Publikum gebracht wird und natürlich auch deshalb droht, im Gros des Angebots unterzugehen. Intelligentere und vor allem warmherzigere Unterhaltung auf derart hohen Niveau sucht man in der derzeitigen Kinolandschaft jedenfalls vergeblich. Dass der Film so viel Sympathien für seine Figuren zu entfachen vermag, liegt natürlich auch an den famosen Darstellern. Und hier ist es neben den oscarnominierten Ian McKellen als Whale und Lynn Redgrave als Haushälterin erstaunlicherweise Brendan Fraser, der wohl erstmals sein darstellerisches Potential voll entfaltet.




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