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Three Kings - Es ist schön König zu sein
Three Kings - Es ist schön König zu sein

Kritik: Three Kings - Es ist schön König zu sein (1999)


---Die schwierige Balance der Ambivalenz---

Ich weiß, dass "Three Kings" sehr unterschiedlich aufgenommen werden wird. Ich weiß auch, dass viele Leser mir die Empfehlung dieses Films übel nehmen werden. Ich weiß aber auch aus tiefsten Herzen heraus, dass "Three Kings" eines der erstaunlichsten Werke einer neuen filmischen Formentwicklung ist, die sich den Genregrenzen nun vollkommen entzieht.

Fragt man danach, was denn "Three Kings" nun für ein Film sei, so wird es schon schwer. Ist er eine Satire? Zu Anfang schon, dann aber fährt er mit so zynisch-aggressiven Kalibern auf, dass einem das Lachen von ganz alleine vergeht. Ist er dann aber ein Drama? Im engeren Sinne wohl ebenfalls nicht, denn dazu sind die Figuren zu überzeichnet und die Begebenheit zu wenig handlungsmotiviert. Oder ist vielleicht auch ein Actionfilm? Auch hier muss ich verneinen, denn für einen Actionfilm ist er zu streng komponiert, vor allem in der Körnigkeit seiner Bilder, die mit ihrem Stil eine wirklich gefällige Anteilnahme an der Gewalt verhindern, obwohl das Ganze sehr rasant in Szene gesetzt wurde.

Viele Vergleiche habe ich schon gehört, die "Three Kings" aber alle sehr vereinfachen. Er sei wie "Rambo 2", ein nachträglich gewonnener Krieg. Er sei jedenfalls eine Schönfärbung des Golfkrieges, in jedem Fall aber typisch amerikanisch überpatriotisch. Ich kann mich dem kaum anschließen, denn um zu einem wirklich festen Urteil zu kommen, muss man alle filmischen Komponenten mit einbeziehen, und dann wird das Rätselraten umso größer. "Three Kings" arbeitet wie kaum ein anderer Film der letzten Monate (mir fällt auf Anhieb nur "Fight Club" ein) mit allen Erzählebenen: Story, Dialog, Bild und Musik sind so gegeneinander montiert, dass man als Zuschauer vor einem ganzen Arsenal innerer Widersprüche seinen Weg durch Mitdenken freischaufeln muss. So wird das Filmereigniss ungeheuer individuell, genau so, wie die Message, die mehr von einem selbst, als von der Intention der Macher an sich hat.

"Three Kings" erzählt von einer Gruppe Soldaten, die kurz nach der Waffenstillstandserklärung Saddam Husseins einen versteckten Bunker suchen, um dort aus Kuwait gestohlenes Gold für sich sicherzustellen. Vorerst nur auf ihr Ziel konzentriert, entdecken die von Sergant Major Gates angeführten Soldaten plötzlich ihr Moralverständnis, als sie mit dem irakischen Volk und seiner Unterdrückung konfrontiert werden.

Dies klingt wirklich nach einem Rambo-Verschnitt, oder auch nach einer überdrehten Satire wie "Stoßtrupp Gold". Dennoch entwickelt sich David O. Russells Film ganz anders. Nicht nur verliert er recht schnell den Humor in seinem Zynismus, der Krieg erscheint auch in immer wechselndem Licht. War es eine große Aktion, die Rettung eines Volkes? War es eine rein kapitalistische Handlung George Bushs, um die Ölpreise zu festigen? War es vielleicht sogar eine Finte, um vom innenpolitischen Schlamassel abzulenken? "Three Kings" gibt uns keine feste Meinung mit auf den Weg. Durch eine grandiose Regieleistung, die mit Hilfe sehr intensiver Kameraarbeit gefangen nimmt, wird uns der feste Pol entzogen.

Russell setzt mit seinem dokumentarisch erfahrenen Kameramann Newton Thomas Sigel auf grobkörnige, bleich-kalte Bilder. Zum einen hält er dadurch eine gewisse Distanz, die auch eine Verwandschaft mit den berühmten CNN-Bildern nahelegt. Zum anderen scheut sich Russell aber auch nicht davor, sich mit der Kamera in die Figuren oder sogar Pistolenkugeln zu versetzen, um uns urplötzlich mitzureißen. So gibt es kurze Gedanken-Flashs der verschiedenen Charaktere oder auch eine furiose Verfolgungsfahrt einer imaginären Kugel hinterher in den Körper eines G.I.s. "Three Kings" bricht immer wieder mit seinem eigenen Stil, erlaubt es nie, wirklich feste Standpunkte zu erreichen.

Man verlässt das Kino gerädert, unsicher und vielleicht auch -wie oben erwähnt- wütend. Denn gerade bei dem heiklen Thema Krieg mit einer so unorthodoxen und vielleicht auch suggestiv fragwürdigen Struktur zu arbeiten, muss zwangsläufig zu Problemen führen. Gerade hierzulande wird der Dialog noch viel zu hoch eingeschätzt. Vieles, was "Three Kings" an Zweideutigkeiten besitzt, wird durch die oben beschriebenen Gegenpole erzeugt, die dem Dialog eben eine bestimmte Art des Filmens oder der Musik entgegensetzen. Vieles ist auch sehr mutig aufgebaut und setzt eine gewisse Abstraktionsfähigkeit beim Zuschauer voraus. So mancher mag das Ganze vielleicht sogar als cool empfinden. Ich denke mir, dass es so leicht wird, alles falsch oder auch mit einer gewissen Angst vor Missinterpretationen aufzufassen.

Diesen Mut zum Zuschauervertrauen, aber auch viele Erzählstrategien teilt "Three Kings" mit dem vor einem halben Jahr gestarteten "Fight Club", der auch sehr unterschiedlich aufgenommen wurde. Nur dass hier jetzt ein heftiges Thema angesprochen wird, welches von Vielen am Liebsten nur in Form von Friedenspamphleten aufgenommen werden will. Die hinter "Three Kings" liegende Ambivalenz, aber auch die poltisch unkorrekt erscheinenden Humoreinlagen werden wohl für sehr viel Gesprächsstoff sorgen. Aber auch der Humor hat eine wichtige Bedeutung im Gesamtgefüge des Films. Um dieses aber wirklich zu verstehen, und sich selbst ein Bild zu machen, sollte man "Three Kings" gesehen haben, wenn es geht ohne Vorurteile. Man muss aber auf jeden Fall darauf eingehen können, dass der Film mit allen ihm zur Verfügung stehenden narrativen Mitteln arbeitet. Er ist lustig, spannend, pathetisch, aggressiv, schlau, aber eben auch sehr nachdenklich."Three Kings" wirkt wie ein Spielfilm, er ist auch einer. Meiner Meinung nach sogar ein Ausnahmefilm.





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