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Kritik: Heart - Jeder kann sein Herz verlieren (1998)


Mit diesem eiskalten Psychothriller empfiehlt sich England erneut als
wahre Fundgrube cineastischer Überraschungen. Kein Wunder, zeichnen doch Drehbuchautor, Produzentin und Regisseur der erfolgreich
zuschauererprobten Fernsehserie "Für alle Fälle Fitz" für den ungemütlichen Abstecher in düstere Gefilde der übertriebenen Mutterliebe verantwortlich. Im unterkühlten Liverpool vor Ort gedreht, erzeugt "Heart" seinen Horror nicht mit computergenerierten Riesenechsen oder schleimtriefenden Aliensinvasionen, sondern aus dem reichhaltigen Fundus "Coma"-artiger Organtransplantationen.

Weniger die Menschenjagd der Organmafia steht hier im Vordergrund, als
vielmehr die - nur angedeutete - Inzestbeziehung Marias (beunruhigend:
Saskia Reeves) zu ihrem Sohn, dessen Herz nach einem tödlichen Unfall
nun in dem von seiner Frau Tess (Kate Hardie) betrogenen Gary
(Christopher Eccleston, "Elizabeth") schlägt. Sehr forsch und immer
eindringlich realistisch schildert Regisseur Charles McDougall das
traumatische Geschehen, das aus einer erstaunlich komplexen
Figurenkonstellation besteht, die vornehmlich aus geheuchelten Gefühlen, Hass und Niederträchtigkeit besteht. Nach leichten Anklängen an "Frankenstein"-Motive wendet sich das Blatt zu einem infernalischen
Psychoduell zwischen Organträger und Spendermutter, dessen blutiger
Ausgang in der verstörenden Eingangssequenz bereits vorweggenommen wird.

"Heart" bietet keinen Platz für eine freundliche Idylle, sondern zieht
den Zuschauer in einen aggressiven Strudel aus berechnenden
Gemeinheiten, deren Szenario bis zu einem gewissen Grade vorhersehbar
bleibt. Dank gereifter, aber aufdringlich eingesetzter Symbolik - die
sich obsessiv in christlichen, moralgeleiteten Motiven ergeht - und der
kaltschnäuzigen Verquickung von blutrünstigen Phantasien, die Tod und
Verderben treffend variieren, steht "Heart" abseits der Tradition
galliger schwarzer Komödien, nämlich mitten im Milieu kompromißloser
Psychoschocker.





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