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Kritik: Sweet and Lowdown (1999)


Woody Allens künstlerischer Output, der seit geraumer Zeit im Zwölf-Monats-Turnus zu besichtigen ist, kann kategorisiert werden in gute, in sehr gute und in geniale Filme. Genial war zuletzt "Harry ausser sich". Der Nachfolger "Celebrity" war gut, und das neueste Werk des Meisters "Sweet and Lowdown" fällt auch "nur" unter die Kategorie gut. Keine Frage, der Film ist sehenswert weil unterhaltsam, stilsicher und atmosphärisch dicht. Trotzdem haftet ihm etwas eigenbrödlerisches an. Und das liegt offensichtlich daran, dass Woody Allen bei "Sweet and Lowdown" seiner bekannten Liebe zum Schrammel-Jazz der 30er und 40er so hemmungslos frönt, dass er darüber ein bisschen die Geschichte vergessen hat. Ein Erzählfluss mag sich nicht so richtig einstellen, freilich ist er offensichtlich auch gar nicht gewollt. Der Film erzählt die fiktive Biographie des Jazz-Gitarristen Emmet Ray.

In den 20er und 30er Jahren gilt er nach Django Reinhardt als der zweitbeste Gitarrist der Welt. Beziehungsweise er selbst hält sich dafür und lässt keine Möglichkeit aus, diese Erkenntnis auch kundzutun. Neben seinen Engagements in mehr oder weniger seriösen Clubs, bessert sich Emmet Ray seine Einkommen durch Nebenerwerbe wie Zuhälterei auf. Dies ist auch dringend nötig, denn neben seiner Musik interessiert sich Emmet für schnelle Autos, extravagante Kleidung und schöne Frauen. Durch die Bank teure Hobbies, die aber den unsteten Lebenswandel des Jazzmusikers ganz gut widerspiegeln.
Als er eines Tages die stumme Wäscherin Hattie kennenlernt, scheint er für eine Weile zur Ruhe zu kommen. Aber Emmet ist viel zu sehr selbstverliebter Egozentriker, als sich grundlegend ändern zu können. Seine moralischen Verwerfungen - und hier vor allem seinen zynischen Umgang mit Frauen - entschuldigt er immer wieder mit dem Satz "Ich bin Künstler". Und als solchem gehört die ganze Hingabe von Emmet der Gitarre und seinen kuriosen Hobbies wie Rattenerschiessen und Zügennachschauen.
Woody Allens Portrait des Künstlers als Menschen fällt, wie in solchen Fällen fast üblich, wenig schmeichelhaft aus. Zumindest für den Menschen, das Genie des Künstlers lässt er unangetastet. Um zu vermeiden, dass missgünstige Kritiker autobiographische Züge Allens in Ray hineininterpretieren, hat er sich selbst übrigens eine kleine Rolle als Chronist neben einigen anderen gegeben. Womit wir wieder bei der Schwäche des Films wären. Im wesentlichen illustriert (das allerdings wunderschön) er episodenhaft die kurzen Ansagen der fiktiven Zeitzeugen von Emmet Ray. Der selbst ist ein schmieriger Schnösel wie er im Buche steht und somit recht weit davon entfernt, Sympathien auf sich zu ziehen.
Neben der Musik, so man sie denn mag, sind wieder einmal die Darsteller die eigentliche Attraktion des Films. Was Sean Penn als narzistisches Genie mit exquisiter Haartolle und dünnem Oberlippen-Bärtchen darstellerisch abliefert ist von einer atembraubenden Präzision und Eleganz. Jede noch so kleine Geste unterstützt den gespielten Charakter aufs glaubwürdigste. Dem in nichts nach steht Samantha Morton, die die stumme Hattie mit anrührender Intensität und Grazie darstellt. Für beide gabs die verdiente Oscarnominierung.





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