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Kritik: Der Chill Faktor (1999)


---Gut geklaut, schlecht geklaut---

Cuba Gooding Jr. gehört sicherlich zu den interessanteren Darstellern, die im Zuge der 90er groß geworden sind. Skeet Ulrich, dagegen, ist bisher außer in "Scream" noch kaum aufgefallen. Mit diesen beiden Darstellern nun einen Actionfilm zu drehen, ist ehrbar und mit Sicherheit auch interessant, da es kaum kalkulierbar ist, wenn man den Zuschauern neue Actiongesichter zumutet. Leider muss es dann auch mit dem Drehbuch und der Regie klappen, und genau da hapert es bei "Der Chill Faktor".

Die Story ist schnell erzählt: Zwei junge Angestellte kommen durch einen Zufall in den Besitz einer chemischen Bombe, die sofort explodiert, wenn sie sich auf 50° Fahrenheit erhitzt hat. Da ein fieser Waffenhändler an die Waffe herankommen will, befinden sich die Beiden auf einer ständig andauernden Flucht, obwohl sie sich eigentlich nicht ausstehen können.

Diese Story ist zwar strunzdoof, dies hält den Film aber nicht davon ab, sie uns als alles zu präsentieren, was er so zu bieten hat. Andere Filme dieser Art lenken eher davon ab. Um sich die Zeit so zu vertreiben, mag man sich der kaum kaschierten Klischees annehmen, die "Chill Faktor" so bietet. Die Schwarz-Weiße Buddy-Movie Konstellation, der Bösewicht, der ein solcher ist, weil er immer sinister in die Kamera schaut, die dummen Regierungsleute, die natürlich die Falschen für die Bösen halten, usw. usf. Hinzu kommt, dass jede Actionszene aus einem anderen Film "entliehen" scheint, hier aber kaum so gut in Szene gesetzt wurde.

All die oben aufgeführten Punkte finden sich häufiger auch in guten Filmen wieder. Sie sind teilweise notwendige Klischees. Nur dass Regisseur Hugh Johnson nicht fähig ist, von ihnen abzulenken, oder sie gar zum (ironischen) Pluspunkt werden zu lassen. Lassen Sie mich dies anhand eines Beispiels erklären: Indiana Jones und seine Mitkämpfer müssen aus einem abstürzenden Flugzeug kommen. Deshalb stürzen sie sich kurzerhand mit einem aufblasbaren Rettungsboot hinaus, landen auf den Bergen und rutschen darauf bis zu einem Fluss, in dem sie nun weitergerissen werden. Dies stammt aus dem zweiten Indy-Film, gedreht von Steven Spielberg. Wenn man das so liest, fällt auf, wie hanebüchen die Idee eigentlich ist, dass dies irgendwie überlebt werden könnte. Da Spielberg das Ganze aber rasant und ironisch in Szene setzt, vergisst der Zuschauer es, man hat seinen Spass. Das Pendant in "Der Chill Faktor" ist dagegen masslos überzogen inszeniert, die heldenhafte Entscheidung zum ernsten Actionreißer stilisiert. Spannung oder Action fühlt man da recht wenig.

Dies hängt auch mit allen anderen Production-Values zusammen, die der Film so bietet. Die Kameraarbeit sieht kaum dem Thema angemessen, sondern eher einem der typischen Bruckheimer-Actionfilme entnommen aus. Dies passt nicht zu dem eher kleineren, aber auch feineren Actionsujet. Die Musik klingt dabei auch wie der typische Klischee-Potpourie, ohne wirklich zu funktionieren, wenn auch mit Hans Zimmer (sozusagen der Erfinder dieser Musikart) und John Powell (einer der gelehrigsten Schüler) gleich zwei Garanten zum Erfolg daran beteiligt waren.

Zum Schluss hin wird der eher mäßig unterhaltsame Film noch fast beleidigend banal in seinem Versuch, Spannung aufzubauen. Alles ist schon mal dagewesen, und ich weiss, dass es auch häufig funktioniert. Nur hier eben irgendwo nicht. Jemand sehr Kluges aus meinem Bekanntenkreis hat einmal gesagt, schlimmer noch als ein schlechter Actionfilm, sei ein mittelmäßiger, da der nicht einmal mehr richtig doof-lustig sein kann. "Der Chill Faktor" ist der Beweis dafür.




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