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Kritik: Suzie Washington (1998)


Die Heimat, ein fremdes Land: Mit den Augen einer flüchtigen Russin vollzieht der österreichische Regisseur Florian Flicker einen Perspektivenwechsel: Die Touristenattraktion verwandelt sich zu einer entfremdeten und bedrohlichen Welt, in der ein falscher Schritt die Abschiebung bedeutet. In ungeschminkten Handkamera-Aufnahmen schildert er die Odysse der georgischen Lehrerin Nana, die, ohne Ausweis unterwegs und durch unüberwindbare Sprachbarrieren als Fremdkörper stigmatisiert, im Salzkammergut nach Menschlichkeit sucht.
Flicker, der 1993 den Science-Fiction-Film HALBE WELT drehte, nimmt Abstand von einer belehrenden Zeigefinger-Moral; er irritiert den Zuschauer mit wohl-plaziertem Humor der Figuren, der sich aus den zum Scheitern verurteilten Kommunikationsversuchen in gebrochenem Englisch ergibt. Eine großartige Birgit Doll als Nana begegnet den wenigen Menschen mit einem unbeholfenen, non-verbalen Repertoire. Ihre Identität versteckt sie hinter dem Namen der amerikanischen Touristin Suzie Washington, die sie auf einer Bus-Tour kennenlernte, doch ihre strengen Gesichtszüge verraten die permantente Anspannung und Angst vor dem Entdecktwerden.
Fiktion oder Fakt? Der Eröffnungsfilm der DIAGONALE ´98 ist ein Road-Movie, ein wenig schillernder Blick hinter die vorerst freundliche Fassade der Menchen und auf eine käufliche Zwei-Klassen-Gesellschaft. Mehr als realistisch legt SUZIE WASHINGTON den Finger auf die Wunde einer perversen Logik: Mitglied der Gesellschaft ist, wer einen Pass hat. Wer keinen besitzt, ist ein Krimineller.




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