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Kritik: Rosie (1998)


Wenn ein Film eine Geschichte wie die in "Rosie" erzählt, dann besteht immer die Gefahr, in allzu simple Schwarz-Weiß-Malerei abzugleiten. Nur zu einfach wäre es, klare Fronten aufzubauen, damit das Geschehen für den Zuschauer leichter konsumierbar wird. Dass es Patrice Toye bereits in ihrem Erstlingswerk verstanden hat, nicht in diese Falle zu tappen, zeugt von einem großen Talent, wobei sie sich aber auch auf die Qualität ihrer Geschichte verlassen konnte. Von dieser sicher geführt entwickelt sich ein sensibles Sozialdrama, dass eher ruhige Töne anschlägt und erst zum Ende hin eine dramatische Steigerung erfährt. Der Film vermeidet es geschickt, Rosies Probleme mit überdramatisierten Paukenschlägen zu inszenieren, und dem Onkel verleiht er auch menschliche Züge, da dieser sich durchaus für Rosie interessiert. Das Dilemma, in dem sich das junge Mädchen befindet, wird durch kleinere, gut nachvollziehbare Ereignisse dem Zuschauer nahegebracht. So leugnet die Mutter gegenüber Fremden stets, dass Rosie ihre Tochter ist, weil es ihr peinlich ist, wie jung sie bereits Mutter wurde. Als der Onkel zu Besuch kommt und sich länger einnistet, muss Rosie ihr Zimmer für diesen räumen. Die dergestalt auf leisen Sohlen daherkommende Charakterisierung der Situation des Mädchens ist zugleich Stärke und Schwäche des Films. Einerseits sorgt dies für Authentizität, da man nicht ständig das Gefühl hat, einem übertriebenen durchkalkulierten Drama beizuwohnen, dass sich schon längst von jedem Realitätsbezug abgekoppelt hat, andererseits fehlt in den Ereignissen ein wenig der vorbereitende Unterbau, für die folgenden Konsequenzen. Es mangelt an der richtigen Ausbalancierung. Der Wille, nicht zu dick aufzutragen, hat zu einer leichten Unentschlossenheit geführt, die dem Film nicht immer gut bekommt. Der kleine Bruch macht sich dann auch im Finale erkennbar, wenn in einer Szene alle wichtigen Charaktere aufeinandertreffen und die emotionalen Ausbrüche nicht mehr vollständig nachvollziehbar sind. Das geht aber nie soweit, dass die innere Logik der Geschichte zerrissen würde.

Mit der Situation des Mädchens korrespondiert auch der visuelle Stil des Films. Zumeist in blassen Farben aufgenommene Bilder der Wohngegend erzählen treffend von Rosies fehlender Geborgenheit. Aber zwischendurch gibt es einzelne Fragmente, die für einen kleinen Augenblick dem Mädchen das geben, was es vermisst. Dazu gehört sowohl Jimi, dem sie voll vertraut, als auch ein Baby, um das sie sich kümmern möchte. Nur sind die Begleitumstände bereits so traurig, dass die rechte Hoffnung nicht aufkommen will.

Patrice Toye hat mit "Rosie" ein in vielen Punkten gelungenes und ambitioniertes Erstlingswerk hingelegt. Die dramaturgischen Schwächen halten sich in Grenzen, so dass der Film auf sehenswerte Weise das bedrückende Schicksal Rosies zeigt.





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