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Kritik: The War Zone (1999)


Inzest war schon das Thema vieler Filme, Tim Roths beklemmendes Regiedebüt „The War Zone“ aber kennt kein simples Gut und Böse, sondern zeichnet ein komplexes, differenziertes Bild: Der Kriegsschauplatz des Titels ist das Innenleben der gebrochenen Charaktere. „The War Zone“ ist ein radikaler Film, den Roth, der sich als Schauspieler ("Reservoir Dogs") längst etablieren konnte, ohne Aussichten auf kommerziellen Erfolg in die Kinos bringt. Bedächtig, hoch sensibel und poetisch nähert sich das Drama den Gefühlen, Widersprüchen und psychischen Deformationen der vier Hauptfiguren, deren Zusammenleben im abgelegenen und rauen Devon schleichend, aber unausweichlich in die Katastrophe mündet.

Gerade weil er vieles offen lässt und auf didaktisches Geplänkel ganz und gar verzichtet, ist dieser Film für einige Zuschauer kaum zu ertragen. Oft brechen alte Wunden auf: Während einer Vorführung im Rahmen des Toronto Film Festivals verließ einer der Gäste seinen Platz, schrie verzweifelt „Ich halt' das nicht mehr aus!“ und stürmte aus dem Kino, um den Feueralarm zu betätigen. Tim Roth, der zufällig am Ausgang stand, konnte den Mann glücklicherweise abfangen und in einem zwanzig Minuten langen Gespräch beruhigen.

„The War Zone“ ist ein Film über die Opfer – jedoch ohne die Täter zu verteufeln. Diese Ambivalenz, gepaart mit überragenden Darstellerleistungen, resultiert in einem nahezu dokumentarischen Blick auf eine innere Hölle, aus der es scheinbar kein Entrinnen gibt und die dem Publikum viel abverlangt.




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