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Kritik: Est-Ouest - eine Liebe in Russland (1999)


Die Filme des Franzosen Régis Wargnier sind auf schwer beschreibbare Weise nicht so recht greifbar. Liegt es daran, dass sie formal wie inhaltlich wenig geschlossen sind oder eher daran, dass nie eindeutig klar ist, worum es dem Regisseur und Co-Autor nun im Kern geht? Jedenfalls, das Gefühl des Unfertigen und der Unentschlossenheit, das sich schon bei "Indochine" und "Eine französische Frau" einstellte, kommt auch in Wargniers neuestem Werk "Est-Ouest - Eine Liebe in Russland" zum Tragen. Was freilich die Juroren in Hollywood nicht davon abhielt, dem Film wie schon vor einigen Jahren "Indochine" eine Oscarnominierung als Besten ausländischem Film zukommen zu lassen. Eine merkwürdige Entscheidung, denn in beiden Jahren hat es nun wahrlich bessere nichtamerikanische Filme gegeben, als Wargniers altmodische und holprig erzählte Politkolportagen mit großen Gefühlen. Zur Geschichte von "Est-Ouest...".

Einige Monate nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erließ Stalin eine großangelegte Amnestie für all jene Russen, die nach der Oktoberrevolution aus ihrer Heimat emigriert waren. Den Heimkehrern winkte darüber hinaus ein russischer Pass und die Gelegenheit, am Wiederaufbau des Landes mitzuarbeiten.

Der nach Frankreich geflohene Alexei nimmt zusammen mit seiner französischen Frau Marie die Möglichkeit wahr, in die alte Heimat zurückzukehren. Doch bereits am Ankunftshafen Odessa werden die beiden mit den düsteren Realitäten des Stalinsmus konfrontiert. Marie ist verzweifelt und möchte umgehend das Land wieder verlassen. Da die Regierung jedoch an Alexei’s Kompetenz als Mediziner interessiert ist, wird dies rigide unterbunden.
Der Konflikt wirft einen ersten Schatten auf die russisch-französische Ehe. In der qualvollen Enge der Gemeinschaftsunterkunft entfremden sich die beiden zusehens. Marie findet in den jungen Sportschwimmer Sasha eine verwandte Seele, der sie sich im Laufe der Zeit anvertraut. Zwischen den beiden bilden sich zarte Bande. Auch Sasha träumt davon, das verhasste Land zu verlassen.
Überraschend bietet sich tatsächlich eine Möglichkeit, als ein berühmtes französisches Tourneetheater in Kiew Station macht. Es gelingt Marie, den Star der Truppe auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen und so Kontakt zu französischen Behörden herzustellen. Dies wiederum bringt Alexei in einen argen Gewissenskonflikt, hat er sich doch mehr und mehr mit den Regime arrangiert.
Die Fluchtpläne von Marie und ihrem Liebhaber Sasha nehmen darüber immer konkretere Formen an.

Zwei große Schwächen sind es, die den Film scheitern lassen. Zum einen kann heutzutage ein Film über den Stalinismus eigentlich nur funktionieren, wenn der historische Kontext eine erweiternde und tiefere Gültigkeit erfährt. Wargniers Film stürzt jedoch immer wieder in einen eindimensionalen Politkitsch ab. Zum anderen sind die beiden Liebesgeschichten ziemlich beliebig gehalten und laden wenig zur Anteilnahmen ein. Fazit: Gescheitert und auch nur auf eher passablem Niveau.




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