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American Psycho
American Psycho
© Koch Media

Kritik: American Psycho (2000)


Kaum einer hat ihn wirklich gelesen, aber jedem ist der Skandalroman "American Psycho" ein Begriff. Bret Easton Ellis Splatter-Bibel für Hartgesottene treibt die Gewaltdarstellung auf die Spitze. Der Roman liest sich wie eine Anthologie aus Mode, Lifestyle und Pop: zu den knochentrockenen, seitenlangen Beschreibungen von Restaurantketten, Parfums und der Musik von Huey Lewis kommen detaillierte Schilderungen von (sexuellen) Folterungen und Verstümmelungen - ebenfalls seitenlang. Mary Harron ("I Shot Andy Warhol") gibt der Lieblingslektüre der Zensoren einen mildernden, satirischen Anstrich und verbannt die provokanten Grausamkeiten. Damit ermöglicht sie es jedem Normalmenschen, sich auf das Universum des Patrick Bateman einzulassen. Mit Situationskomik umreißt sie die Neurosen eines angepassten Yuppies, der zwischen dem Dasein als Markennamenträger hemmungslos Mordphantasien auslebt. Damit mokiert sich Harron über die Reaganomics, über die Selbstverliebtheit und den Konformismus. Glaubt man ihr, waren die 80er Jahre die reine Hölle. Hitchcocks "Psycho" und Hoopers "Texas Chainsaw Massacre" finden in verschiedenen Anspielungen ihren Weg in ein höhnisches Zeitportrait, das man keine Sekunde ernst nehmen kann. Dabei sorgt ein furioser Christian Bale als hochgezüchtete Muskelmaschine, die im Großstadtdschungel zur Archaik zurückkehrt, durchaus für einen flauen Magen. Doch Harron gibt ihn durch ein Wechselspiel zwischen Traum, Illusion und Wirklichkeit gezielt der Lächerlichkeit Preis.




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