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Kritik: TGV-Express - Der schnellste Bus nach Conakry (1998)


"TGV-Express" ist ein ungemein buntes und spannendes Road-Movie, eine
gelungene Mischung aus Komödie und Melodram, untermalt mit der wunderbaren Musik von Wasis Diop. Der Bus fährt durch ein Kriegsgebiet und transportiert dabei einen Mikrokosmos der senegalesischen Gesellschaft:

An Bord sind u.a. zwei miteinander wettstreitende Marabuts (Medizinmänner), ein Hasch rauchender Kleinkrimineller, ein Bauer, auf dem Weg, seine fünfte Frau zu heiraten, eine Frau, die ihren Mann verlassen hat, weil er eine zweite Frau heiratete. Mit dabei auch eine unbekannte Schöne, auf die der ebenso energische wie charmante Fahrer Rambo sofort ein Auge geworfen hat.

Unterwegs wird dann noch ein geschaßter Finanzminister mit Frau und Handy aufgelesen, der zu nichts anderem taugt und deswegen ein anderes politisches Amt bekommen "muß". Und zu guter letzt steigt noch ein Ethnologen-Paar dazu. Arrogant weist der Professor anhand der historischen Landkarten den Weg, "weil sich in den letzten 600 Jahren nicht viel verändert hat", und führt die Reisegesellschaft in eine Sackgasse! Eines hat sich aber tatsächlich seit altersher nicht verändert: Der Konflikt zwischen Islam und Naturreligionen.

Der Film kann als Allegorie auf den Auf- und Umbruch der afrikanischen
Gesellschaft gelesen werden: Martialisches Festhalten an Traditionen auf der einen, und Verlust der Wurzeln auf der anderen Seite. Probleme mit der Polygamie. Komplizenschaft von Politikern und religiösen Führern. Und vielleicht sollten Weiße aufhören, Afrikanern den Weg weisen zu wollen?

Man kann den Film als Allegorie lesen - man kann sich aber auch einfach großartig amüsieren. Denn "TGV-Express" hat viel zu bieten: Ein interessantes Ensemble gut gezeichneter Figuren (durchweg hervorragend gespielt), köstlichen Humor und Pragmatismus (Autoreparatur mit Kaugummi!), die wunderbaren Landschaftsaufnahmen und nicht zuletzt die tolle Musik.

Ein Highlight des afrikanischen Kinos!




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