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Kritik: Croupier (1998)


Nie war britischer Humor trockener, nie waren die Emotionen unterkühlter. Trotzdem gelingt es den Figuren in Mike Hodges faszinierenden Reigen nicht, sich als waschechte Casino-Profis zu erweisen und wie Scorseses Wirtschaftskriminelle in "Casino" eine schillernde Goldgrube zu beherrschen. Wenn hier etwas funkelt, dann ist es die Gier in den Augen von Jack/Jake ("Bent"), der sich sonst hinter einer Fassade monotoner Gleichgültigkeit verbirgt - seine manische Sucht nach dem Glücksspiel kann er nur für kurze Zeit unterdrücken. Obwohl der Croupier sich in einer kontrollierenden Position zu befinden glaubt, dauert es nicht lange, bis er, geblendet vom schnellen Reichtum und kostbarem Glück, zum Werkzeug unbekannter Hintermänner wird, die die Fäden eines großangelegten Coups ziehen. Denn die Kontrolle hat Jack schon längst unbemerkt verloren.
Mit sicherer Hand stellt Mike Hodges ("Auf den schwingen des Todes") die Figuren in seinem perfiden Schachspiel auf und porträtiert den überkorrekten Jack mit kühler Eleganz zwischen mondänem Gentleman-Flair und lakonischem Denkertum. Seine Gedanken sind es dann auch, die dem Film in permanenten Voice-Overs begleiten und einen involvierenden, tiefen Einblick hinter die Kulissen eines Casinos vermittelt, während sein Charakter der Versuchung trotz eingeschworener Prinzipientreue erliegt. Sein Lebensmotto "Hang on tightly, let go lightly" spiegelt exakt sein hermetisches Wesen wider, an dem nicht nur eine Partnerschaft zerbricht - zu flüchtig und distanziert gibt er sich, um das Eis brechen zu können.
"Croupier" ist ein betörend souveräner Abgesang auf den Film Noir, temporeich, aber nicht kinetisch, ausgestattet mit messerscharfen Dialogen und ebensolchen Blicken, fatalistisch und reich an irreführenden Finten. Mitunter erscheint die Höllenfahrt des Autoren in
ein bodenloses Abyss aus Betrug, Verrat und Fälschung als teuflisches Vexierspiel um Wahrheit und Lüge. Als hätte David Mamet die Spielsucht ergriffen.




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