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Kritik: Der Sturm (2000)


Verschlafen ist das Fischerstädtchen, hellwach sind die Klischees. "Home, sweet home" ist in "Der Sturm" erst einmal angesagt – Familienkitsch, so weit das Auge reicht. Dagegen wirkt, man traut es sich kaum festzuhalten, "Der Patriot" von Roland Emmerich schon beinahe zurückhaltend.

Die armen Leut' und das Meer: "Der Sturm" heroisiert das harte Leben harter Männer, die für eine Handvoll Dollars ihren Hals riskieren und außerdem, wenn sie nicht zotenreißend durch die Hafenkneipen ziehen, eine dicke Portion Familienzoff zu stemmen haben. Sogar an Land steht diesen Männern jeden Tag das Wasser bis zum Hals.

Wasser marsch: Doch irgendwann, nach einer endlos langen, kitschig-formelhaften Einführung der Charaktere, kommt dann auch dieser Film einmal zur Sache. Der eigentliche Star ist selbstverständlich der computergenerierte Wellengang, der unserer Besatzung zum Verhängnis wird: Die visual effects von ILM können sich sehen lassen.

So abgedroschen wie die Sprüche der Figuren meistens wirken, so eindrucksvoll und routiniert gestaltet Wolfgang Petersen die Actionszenen. Mit der Beklemmung, Spannung und Verzweiflung seines Meisterwerks "Das Boot" hat das Spektakel allerdings nicht viel zu tun.

"Der Sturm" ist vielmehr großes, teures und bedeutungsloses Popcorn-Kino – mit einer dicken Lage Schmalz und Zuckerguss fürs Herz und jeder Menge Nahrung für die Augen. Man darf – man muss – sich einfach schmachtend fallen lassen, seinen Verstand ins Hinterkämmerchen verbannen und das effektlastige Melodrama ungefiltert bis zum bitteren Ende auf die Körpermitte wirken lassen – bis die wackeren Fischersleute, von James Horners Klangteppichen untermalt, ihren verdienten nassen Heldentod gestorben sind. Die Wahrhaftigkeit des Plots, der immerhin auf Tatsachen basiert, war ohnehin von Anfang an dem Untergang geweiht.




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