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Beautiful People
Beautiful People
© Wild Bunch

Kritik: Beautiful People (1999)


Beautiful People ist eine etwas andere britische Komödie. Ohne dass der schwarze Humor fehlen darf, wird hier an einem Episodenfilm gestrickt, der auf den ersten Blick wenig mit Short Cuts oder Magnolia zu tun hat. Der Titel ist natürlich ironisch, denn "beautiful" sind unsere Helden hier gewiss nicht. Alle haben Ecken und Kanten und sind anfangs nicht so leicht zu ertragen. Denn zunächst fühlt man sich in ein klassisches, englisches Real-Life-Drama versetzt, das wahrlich nicht an drastischen Szene spart. Man vermutet Böses, bis Regisseur Dizdar endlich gegen Mitte des Films in einen leichteren Ton verfällt. Und dann zünden auch die Dialoge, dann ist es wunderbar anzusehen, wie sich die beiden Krankenhausinsassen (ein Kroate und ein Serbe) bekriegen, und dann kann man sich auch auf die seltsame Odyssee des kaputten Drogenabhängigen Griffin mitten in das Kriegsgebiet im ehemaligen Jugoslawien einlassen. Am Ende ist dann beinahe alles wieder gut, allerdings mag man dem Frieden nicht so richtig trauen.
Erfreulich anzusehen ist, dass die verschiedenen Charaktere hier nicht auf Teufel-komm-raus zusammenfinden und ihre Geschichten miteinander verweben müssen, hier werden bisweilen nur Gedankenbrücken geschlagen. Doch wie alle Episodenfilme mit einer so großen Menge von Charakteren leidet auch "Beautiful People" ein wenig an der Überzahl der einzelnen Stories. Man kann es auch anders sehen: Wofür Magnolia drei Stunden braucht, das schafft "Beautiful People" in nur anderthalb. Dennis Eick ____________________________________ ______________ Elend, Dreck, Angst, Blut, Schweiß, Dreck, Gewalt, Not – die triste Reihe wäre endlos fortzusetzen und würde doch den von "Beautiful People" geschilderten Bogen des alltäglichen menschlichen Infernos nicht erschöpfend skizzieren. In diesem Film geht es mehr als turbulent zu, episodenhaft wird das Leiden und Darben verschiedener bosnischer Schicksale in London geschildert, wobei keiner der Exilanten im Vordergrund steht. Auch diese Lücke einer fehlenden klaren Hauptfigur verstärkt den zerrissenen Charakter dieses Films, der einerseits nur schwer erträglich, so doch andererseits den Tenor der "Geschichte" herausstreicht. Geht es doch um die private wie nationale Zerreißprobe diverser Einzelschicksale, wobei jede kleine Tragödie wie ein Mosaiksteinchen das infernalische Gesamtbild eines einzigartigen Fiaskos komplettiert. Mit anderen Worten: Der Film ist in seiner hektischen Erzählstruktur ebenso wenig zu ertragen wie das harte Schicksal der einzelnen Akteure. Freilich wirft der Film des bosnischen Filmemachers Jasmin Dizdar ein ungemein realistisches Schlaglicht auf das unnachgiebige Leben in einer aus allen Nähten platzenden Metropole, die in all ihrer Härte und in all ihren brutalen Konflikten geschildert wird. Fast hat man den Eindruck, als hätte der Regisseur sich selbst in alle Ewigkeit verdammt, wenn ihm auch nur ein Brennpunkt entgangen wäre. Aufgemischt mit Szenen aus dem Bosnien-Krieg bietet dieser anstrengende wie schonungslose Film nur spärlich Ruhepunkte, und wenn doch einmal so etwa wie Idylle sich einzuschleichen beginnt, wird diese schnell als Heuchlerei oder trügerisch-verlogene Scheinharmonie entlarvt. Die schönen Inseln im Psycho-Morast belässt "Beautiful People" allenfalls in den Details, Momente einer brüchigen Ruhepause, die jede Sekunde von neu hereinbrechenden Traurigkeiten weggeschwemmt werden. Man merkt dem Regisseur seinen bisherigen Schaffensschwerpunkt, den Kurzfilm, doch deutlich an, Längen wie Ruhepole scheint er auch bei diesem umfangreichen Werk zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Klarer Pluspunkt bei dem ganzen Durcheinander ist die schauspielerische Authentizität der Beteiligten, weshalb die Tristesse und das Leiden noch wuchtiger als vielleicht nötig auf den Zuschauer herniederprasseln. Fazit: Vor dem Film einen guten Schluck Cognac zur Brust und eine gute Mütze Schlaf nehmen – so ist man vielleicht dem anti-euphemistischen Dauerbombardement und nervenzerreibendem Sozialkritik-Terror gewachsen. Nichtsdestotrotz wird die Kernaussage dieses Films, nämlich die Anklage an Bürgerkrieg und Exilantendasein, durch vorgenannte Stilmittel überzeugend in Szene gesetzt.




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