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Kritik: Himalaya (1999)


Gelegentlich gibt es sie also doch noch, die großen Überraschungen im Kino. Sie begegnen dem aufgeschlossenen Zuschauer freilich nur bzw. am ehesten, wenn er sich mal in einen Film wagt, der sich in jeder Beziehung abseits des gängigen Erzählkinos, das seine Geschichten mit weitgehend bekannten Bildern nach Schema F abspult, bewegt. Die französisch-schweizerische Produktion "Himalaya" ist so ein Film. Wer sich darauf einlässt, dem offenbart sich ein Bilderrausch in Cinemascope der seinesgleichen sucht und darüber hinaus eine archaische Geschichte, die bei aller Exotik durchaus universell ist.
Wo sie angesiedelt ist, sagt der Titel. Dort im nordwestlichen Nepal, 5000 m über dem Meeresspiegel, auf einem Hochgebirgsplateau des Himalaya, lebt der Stamm der Dolpo-Pa. Der extrem karge Boden kann sie kaum ernähren. Sie sind gezwungen, auf einer jahrtausendalten Route mit Yaks Salz über abenteuerliche Pässe in ferne Täler zu transportieren, um es dort gegen lebenswichtiges Getreide zu tauschen. Der prächtigste Teil des Films verfolgt einen solchen Treck, der von allen Beteiligten das Äußerste verlangt, durch phantastische Bergwelten des Himalaya. Eine Rahmengeschichte erzählt der semi-dokumentarische Film auch noch:
Der alte charismatische Tinlé, dessen ältester Sohn und Karawanenführer gerade tödlich verunglückt ist, weigert sich, dem seiner Meinung nach zu jungen Nachfolger seines Sohnes die Führung der diesjährigen Karawane zu überlassen. Auch macht der Dorfälteste ihn für den Tod seines Sohnes verantwortlich. Karma, so sein Name, trotzt jedoch nicht nur der Wut Tinlés, er verweigert sich auch dem Orakel des Schamanen und bricht bereits vor dem festgelegten Tag mit einer Karawane auf. Mit dabei sind viele junge Dorfbewohner, die mit ihrer Teilnahme sich in gewisser Weise gegen alte Traditionen auflehnen. Als der alte Tinlé dies mitbekommt, beschließt er gegen alle Vernunft, mit Hilfe seines zweiten Sohnes und einiger älterer Dorfbewohner, dem Treck Karmas zu folgen, um sie einzuholen. In der tiefverschneiten Bergwelt des Himalaya beginnt ein Wettlauf zwischen dem jungen und dem alten Dolpo-Pa um Macht und Führung, um Tradition und Moderne.
"Himalaya" besticht durch eine Fülle nie gesehener Bilder von überwältigender Schönheit. Die eigentliche Sensation des Filmes sind jedoch seine Darsteller und ihre unglaublichen Gesichter. Besser und authentischer hat man Laien wohl noch nie im Kino gesehen.





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