VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Dancer in the Dark (2000)


Out of the Dark: Der dänische Avantgardist Lars von Trier fasziniert nicht nur die Cineasten. Als Grenzgänger bricht er mit gängigen Erzählstrukturen und erschafft mit ausgefallenen Sujets, wackeliger Handkamera und überragenden Darstellerleistungen Kinoerlebnisse, an denen sich die Geister scheiden: etwa den Tabubrecher „Idioten“ mit „Dogma 95"-Manifest als Unterbau.
Die isländische Popröhre Björk spielt in diesem letzten Teil von Lars von Triers „Golden Heart"-Trilogie die Hauptrolle: Nach „Breaking the Waves“ muss auch in „Dancer in the Dark“ eine einfache Frau in einer kalten Welt innere Stärke, Menschlichkeit und Herzlichkeit bewahren. Regisseur von Trier verlangt von seinen Darstellern dabei immer das Äußerste – das Ergebnis sind wahrhaftige Figuren ohne falschen Lack.
Meine Lieder, meine Träume: Von Trier verbindet klassische Musical-Elemente mit der Wucht des Dramas, und Björk bereichert dieses neuartige Amalgam mit experimentellen Interpretationen aus Maschinenrhythmen ausgestanzter Songs. Selmas Lieder sind die Weggefährten ihres aussichtslosen Kampfes gegen die zunehmende Finsternis.
„In einem Musical passiert nie etwas wirklich Schlimmes“ – „Dancer in the Dark“ entlarvt diese Hollywood-Konvention als bittere Lebenslüge. Von Triers tragisches Musical bricht mit Wucht über den Zuschauer herein, verzichtet dabei jedoch auf Sentimentalitäten. In Cannes wurde die Sängerin dafür verdient als beste Hauptdarstellerin geehrt. Björk, die nach diesem Film nie wieder spielen will, erfüllt von Triers trockenen, halb dokumentarischen Stil mit schlichter, einnehmender Menschlichkeit. Wer dieses spröde Epos auf sich wirken lässt, verlässt das Kino aufgewühlt, erschüttert, zornig oder auch zutiefst betrübt – gleichgültig lässt einen der überlange, in breitem Cinemascope mit einer Handkamera auf Videomaterial gedrehte Film ganz sicher nicht. Der Cannes-Jury war das die Goldene Palme wert





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.