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Wege in die Nacht
Wege in die Nacht
© Filmgalerie 451

Kritik: Wege in die Nacht (1999)


Wege in die Nacht

In eindringlichen schwarz-weiß-Bildern schildert Andreas Kleinert (“Im Namen der Unschuld“) den Abstieg eines einst mächtigen Mannes. Hilmar Thate ("König von St. Pauli, Der") spielt den amoklaufenden Walter mit impulsiver Intensität, der zwischen Wut und Wahn oszilliert. Ein treibender Trommelrhythmus gibt der expressionistischen Studie zusätzlich Energie, die trotz übermäßig langer Passagen konkrete gesellschaftliche Brisanz aufweisen: schließlich gerät die Figur eines abgeschafften Systems außer Kontrolle, weil sie – eine stillgelegte Maschine – nicht mehr gebraucht wird. Die Wiedervereinigung aus der Sicht eines Ex-Kommunisten hat einen ausweglosen, düsteren Anstrich.

Doch der in Ostberlin geborene Kleinert verwehrt sich dagegen, die Perspektive der ehemaligen DDR einzunehmen. Schon auf der HFF Potsdam-Babelsberg monierten die Kulturwächter, seine Arbeit sei inhaltlich zu düster. Tatsächlich hält Kleinert nichts von Humor und Unterhaltung. Seine Film ist voller Schmerz, Melancholie und Gewalt. Vorbilder sucht er in Andrej Tarkowski, Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau, sowie dem deutschen Autorenfilm. Kleinert belebt damit alte Traditionen, als Film noch Film und nicht Geschäft bedeutete. Dem Anspruch wird er, von manch überdeutlich plakativen Momenten abgesehen, durchaus gerecht.

Das Werk des 37-jährigen Regisseurs eröffnete in Cannes dieses Jahr die Quinzaine des Réalisateurs, für viele eine größere Ehre, als im oft berechenbaren offiziellen Wettbewerb vertreten zu sein. Es war neben Werner Herzogs großartigem Comeback “Mein liebster Feind“ der einzige deutsche Film in der Reihe: ein in seinem nüchternen Realismus größte Poesie offenbarendes Psychogramm, dessen Nachtgestalten trotz Verzweiflung nicht wehmütig resignieren. Das gebiert mehr Hoffnung, als der flüchtige Blick enthüllt.




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