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Men of Honor
Men of Honor
© 20th Century Fox

Kritik: Men of Honor (2000)


Trotz ein paar Längen und etwas zuviel Patriotismus kann "Men of Honor" als eine spannend und ruhig erzählte Biographie überzeugen, die vor allem von ihren hervorragenden Hauptdarstellern lebt. Es ist kein Geheimnis, dass Patriotismus und Stolz auf das Militär in den USA und Deutschland dank der unterschiedlichen geschichtlichen Hintergründe vollkommen anders gehandhabt werden. Alleine aus diesem Grund hat es ein Film mit dem markigen Titel "Men of Honor" schwer bei uns, gerade wenn man noch Cuba Gooding Jr. und Robert DeNiro in adretter Uniform auf dem Plakat bewundern kann. So kommt es auch im Film zum mehrfachen Feiern von Heldenmut in der Armee. Man sollte nur erwähnen, dass dieser Held Schwarzer ist, kurz nach dem 2. Weltkrieg als Präsident Harry Truman gerade die Rassengesetze innerhalb der Armee aufgehoben hatte. "Men of Honor" erzählt also weniger die Geschichte eines Militärheroen, sondern eher die eines Helden der Gleichberechtigung, der Pionierarbeit dort leistete, wo es mit am schwierigsten war (und heute noch ist): bei der Armee. Nirgendwo ist das Hirarchiedenken mehr verankert als im Militär. Entsprechend schwierig ist es da natürlich für eine lang unterdrückte Minderheit, gerade hier Fuß zu fassen. Der von Cuba Gooding Jr. hervorragend verkörperte Carl Brashear war der erste Schwarze, der je aus der Rollenverteilung ausbrach, und zum ersten farbigen Taucher der US-Navy wurde. Ihm entgegen stellt sich der eisenharte Redneck und Ausbilder Billy Sunday. Dieser wird mit einer gewohnt starken Leistung von Robert DeNiro verkörpert. Dank der beiden Darsteller wird gerade die Beziehung zwischen den Beiden zum Mittelpunkt des Films. Obwohl eine sehr einfache Schwarz-Weiß Zeichnung des jungen aufstrebenden Mannes gegen den vorurteilsbelasteten Säufer möglich gewesen wäre, erarbeiten die beiden Darsteller differenzierte Figuren, die beide ihre Stärken und Schwächen haben. So ist es wenig erstaunlich, dass "Men of Honor" trotz des militärischen Hintergrunds eine sehr leise Gangart hat. Regisseur George Tillman Jr. führt gekonnt durch das Leben des Carl Brashear. Schon gleich zu Anfang macht er die Motivation seiner Hauptfigur klar und stützt sich dann auf die zwischenmenschlichen Aspekte des Lebens zwischen Militär und Familie. Dies ist auch gut so, denn das an sich gut geschriebene Drehbuch spart nicht mit den klassischen Zutaten des Militär-Heldendramas und so mancher etwas tönernen Konstellation, was gerade bei der Beziehung von Sunday zu seiner Frau für vermeidbaren Längen sorgt. Die mit sicherer Hand geschriebenen Dialoge und einer sehr gute Kameraarbeit entschädigen hierfür aber. Fährt die Hand gegen Ende auch drei-viermal zu oft an die stolze Soldatenstirn, erzählt "Men of Honor" im Kern doch eine spannende Lebensgeschichte. Wer mit dem Hintergrund des amerikanischen Militärs nicht klar kommt, der sollte einen Kinobesuch vielleicht vermeiden, jeder andere aber, der sich für mitreißende, dabei aber sehr ruhige Geschichten interessiert, der sollte ein Blick wagen. Hier haben wir einen erfrischend altmodischen Film, der dank seiner Darsteller so manche Stärken des klassischen hollywoodschen Biopics voll ausspielen kann und zudem noch von einer interessanten Facette der jungen amerikanischen Geschichte erzählt. Wer hätte das nach dem Plakat gedacht?




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