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Der Herr der Ringe: Die Gefährten
Der Herr der Ringe: Die Gefährten
© Warner Bros.

Kritik: Der Herr der Ringe: Die Gefährten (2001)


Eine der wohl schwierigsten Aufgaben, die man als Filmemacher haben kann, ist die Umsetzung einer bekannten Geschichte oder deren Fortsetzung. Es gibt immer Fans, die sich etwas anders erwartet hatten (Beispiel: "Star Wars - Episode One") oder die einfach alles anders gelesen hatten (Beispiel: Harry Potter). Wenn dann nun der Film jahrelang in Produktion bleibt, baut sich ein Erwartungsdruck auf, dem kein filmisches Werk standhalten kann. Peter Jackson hat es deshalb mit seiner Verfilmung des größten aller Fantasy-Klassiker, "Der Herr der Ringe", dementsprechend schwer. Das Ergebnis ist anders, als man es hätte erwarten können, und dabei auf seine ganz eigene Art sogar besser! Wenn es darum geht, die Klassiker des Fantasy-Films aufzuzählen, dann wird es noch enger als schon bei der Literatur, wo neben ein paar absoluten Lichtblicken viel Schund die Regale verstopft. Vielleicht sind es sogar nur die "Star Wars"-Filme, die neben ein paar Ritter- oder Samurai-Filmen für diese nötige Atmosphäre sorgten, die irgendwo zwischen Mythos und Magie schwebt. Nun gibt es schon einmal einen weiteren Namen zu nennen: "Der Herr der Ringe - Die Gefährten". Mit welch unglaublichen Vermögen Jackson hier den klassischen Stoff filmisch aufbereitet (und dabei sogar mit Elementen der Hintergrundgeschichten von J.R.R. Tolkien verbindet), ist mehr als beeindruckend. Um zum Beispiel gerade der Vorgeschichte Herr zu werden, die die "Unverfilmbarkeit" des Stoffes ausmachte, setzt er auf Mittel, die sonst eher im Avantgarde-Bereich des Kinos zu finden sind. Er spannt keinen normalen Spannungsbogen, sondern nutzt Assoziationsnetze, indem er fast archetypische Bilder einsetzt, die erst der Zuschauer selbst in seinem Kopf zu einem Gesamten zusammensetzt. Was sich dabei ergibt, ist eines der interessantesten Filmerlebnisse seit langem. Denn eigentlich funktionieren solche Assoziationsnetze nur auf einer intellektuellen Ebene. Jackson schafft es aber durch die schiere Brillanz seiner Bilder und immer wieder in den Szenen aufblitzenden klassischen, ja fast schon archetypisch-epischen Erzählmustern, die pure Emotion hervorzurufen. Vor allem die Musik von Howard Shore arbeitet sehr viel darauf hin. Sie unterstützt nicht nur, sie baut ganz eigene emotionale Muster auf. Erst im letzten Akt, als sich auch die Erzählstruktur wieder klassischen Spannungsbögen widmet, passt sich dieses zu einem extrem aufregenden Filmerlebnis zusammen. Denn die Teile, welche als Assoziationsmuster dargestellt wurden, bleiben als Traum im Kopf haften und werden besser, je länger man sich mit diesen Eindrücken beschäftigt. Kleine Eigenheiten, wie die immer wieder aus den Felsformationen herausstechende greifende Hand, die sich den Hobbits zu nähern scheint, verstärken diesen Eindruck. Insgesamt kann man sagen, dass diese Bilder schon jetzt Kinogeschichte schreiben, allein schon wie sie mit den ältesten Kameratricks und den neuesten Computergrafiken als eine Einheit die Welt Mittelerde zum Leben erwecken. Nachteil ist dabei, dass trotz brillanter Bilder, genialer Musik und einem herausragenden Casting (allen voran der weise Gandalf und die wunderschöne Galandriel) für die harten Fans ein bitterer Nachgeschmack bleiben könnte. Solch eine klassisch-filmische Erzählweise und die daraus folgende Interpretation des Stoffes, die vieles wegläßt und das Gezeigte wiederum anders anordnet als im Buch, mag niemand vorausgesehen haben. Manche werden wohl dem nachtrauern, was sie sich zuerst in ihrem Kopf vorgestellt haben. Aber mir als ausgesprochener Fantasy-Fan hat der Film herausragend gefallen. Selten habe ich mit solchem Staunen und einfacher emotionaler Überschwenglichkeit im Kino gesessen, selten wollte ich trotz 180 Minuten nicht mehr aus dem Kinosessel aufstehen. Freunde des Buches, die gerne eine andere (sehr gute und eigene) Interpretation des Tolkien-Klassikers zulassen, werden begeistert sein, ebenso wie diejenigen, die das Buch nicht gelesen haben (dies aber noch nachholen sollten!). Das, was aber am meisten erstaunt und mich nachdenklich und mit Freude zurückläßt, ist nur ein Gedanke: Dies war erst der Anfang...





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