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Center Stage
Center Stage
© Columbia TriStar

Kritik: Center Stage (1999)


"Center Stage" ist ein Film über unsere Träume, Wünsche und den Kampf um deren Verwirklichung. Außerdem erzählt uns der Film vom Erwachsen werden junger Leute, die ihren Platz im Leben erst noch finden müssen und sich dabei von Bezugspersonen wie den Eltern langsam lösen. Es wäre also verfehlt, dem Film vorzuwerfen, dass er sich weniger um die harte Realität der Tanzausbildung kümmert und statt dessen dramaturgisch ganz in Richtung Mainstream schielt.

Aber das Ergebnis ist dann leider doch ein bisschen allzu sehr aus dem Klischeebaukasten zusammengebastelt. Routiniert werden da die für das Genre klassischen Konflikte abgespult. Zum Mitleiden gibt es die Hauptfigur Jody, welche sich, im Tanzunterricht ständig als einzige kritisiert, durchbeißen muss. Daneben deren Zimmergenossin Eva, der das Tanzen zwar leicht fällt, die aber durch ihre vorwitzige Art bei den Lehrern ständig aneckt. Außerdem darf natürlich nicht die arrogante, beste Tänzerin der Academy fehlen. Um diesen eindimensionalen Figuren Leben einzuhauchen und einen mitreißenden Film zu machen, bedarf es eindringlicher Szenen, die den Zuschauer emotional in ihren Bann ziehen. Doch auch dabei begnügt sich "Center Stage" mit Hausmannskost. Der strengen und spröden Ausbildung an der Academy stellt er die heiße Atmosphäre eines Salsa-Clubs sowie die Freiheit eines Broadway Dance Studios entgegen. Erst in dieser ungezwungenen Atmosphäre leben die Figuren richtig auf und haben Spaß an dem, was sie tun. Mit diesem simplen Gegensatz zwischen der Lust am "Dirty Dance" und der Disziplin beim klassischen Ballett nimmt der Film dem Geschehen jegliche Tiefe, die er besitzen könnte, wenn die Hoffnungen und Wünsche der Charaktere nur differenzierter ausgelotet würden. Außerdem begeht er dadurch den schlimmen Fehler, die Tanzausbildung, bei der jeder Spaß fehlt, zu diabolisieren. Dies stimmt dann einfach nicht mehr damit überein, dass es doch bis zum Schluss das Ziel bleibt in die American Ballet Company aufgenommen zu werden. Auch die Liebesgeschichten verlaufen in klassischen Pfaden, wenn Jody den gefeierten Star anhimmelt und gleichzeitig vom ruhigen Charlie angebetet wird. Dies sorgt aber wenigstens für eine der gelungenen Szenen des Films, in der die beiden Kontrahenten um Jodys Gunst bei einer Probe ihr Können in immer schwierigeren Finessen beweisen wollen.

Besonders ärgerlich sind aber die Dialoge, welche maßgeblich zum vorhandenen Niveau beitragen. So versucht Charlie Jody nach einem Streit mit Cooper zu trösten: "Du hast nur gesagt, was Du gefühlt hast". "Ein Choreograph interessiert sich aber nicht für die Gefühle eines Tänzers". Gespräche dieser Art durchziehen den ganzen Film und hinterlassen eher einen schalen Nachgeschmack. Einzig der Inszenierung der Tanzszenen ist es zu verdanken, dass es ein paar Höhepunkte in "Center Stage" gibt, die den Zuschauer emotional packen. Besonders die moderne Choreographie von Coopers Abschlussballett ist rasant auf die Leinwand gezaubert. Die ausgezeichnete Körperbeherrschung der großartigen Tänzer wird durch den wilden Stilmix zum Augenrausch. Das ganze erzählt die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern und reflektiert so auf originelle Weise die Filmhandlung.

"Center Stage" unterwirft sein Thema, die Tanzausbildung an einer der rennomiertesten Schulen, einer einfachen Dramaturgie aus Gegensätzlichkeiten und Konflikten. Was bleibt, sind die eleganten und furiosen Tanzszenen.




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