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So weit die Füße tragen - Bernhard Bettermann
So weit die Füße tragen - Bernhard Bettermann
© Angel Fall

Kritik: So weit die Füße tragen (2001)


Hardy Martins schält sich durch die Gesamtwirkung der Elemente in "So weit die Füße tragen" aus der Fassade des biederen Kintoppmachers heraus und offenbart sich als deutschtümelnder Regiedilettant. Unter seiner Hand gerät die epische Erzählung vom deutschen Kriegsgefangenen, der 1949 aus dem ostsibirischen Lager Kap Deschnew flieht, um drei Jahre lang zu Fuß durch die Wildnis bis in den Iran zu marschieren, in die Ecke national-romantischer Wehrmachtsphantasien. Gleich drei klare Feindbilder hat der schlaue Martins für uns Unwissende parat: Die Russen, die Muslime und die Amerikaner. Die Russen sind zum einen sadistisch böse, wie der Lagerkommandant und seine Getreuen, welche die Deutschen mit roher Brutalität sinnlos malträtieren oder nackt bei minus 40 Grad erfrieren lassen. Zum anderen sind sie habgierig, wie zwei 'Jäger', die dem Deutschen zunächst auf seiner Flucht helfen, dann aber bereitwillig für Gold töten. Zur Unterstützung dieser Weltsicht werden die russischen Soldaten ständig aus der Unterperspektive gefilmt, wodurch sie wie dämonische Machtmenschen erscheinen. Amerikaner sowie Muslime kollaborieren mit dem fiesen Feind aus dem Osten gegen den braven Deutschen. Während das hinterhältige Treiben der Amerikaner nur im Gespräch Erwähnung findet ("Auch wenn du die Flucht [nach Alaska] schaffen solltest, schicken dich die Amerikaner zurück"), tritt der Muslim direkt in Aktion, indem er als Spitzel den Deutschen verpfeift. Zuvor inszeniert Martins noch eine Gemeinschaft von Nomaden, die einer Naturreligion angehören, als Gegenbild zu den bösen Muslimen. Bei ihr findet der flüchtige Soldat Unterschlupf. So lernen wir durch die Einteilung in die Gruppe derjenigen, welche der Hauptfigur wohlgesonnen sind, sowie derjenigen, welche sie vernichten wollen, wie Gut und Böse verteilt sind. Ständig schneidet Martins zwischendurch auf Bilder von der Familie des Soldaten, die in einem Bayern auf ihn wartet, das in "bester" BDM-Ästhetik gefilmt wurde. Der nach dem 11. September vielbeschworene Kampf der Kulturen, welcher jetzt nicht stattfinden dürfe, erhält mit "So weit die Füße tragen" einen hässlichen Fürsprecher.




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