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Deep in the Woods - Allein mit der Angst
Deep in the Woods - Allein mit der Angst
© Kinowelt Filmverleih GmbH

Kritik: Deep in the Woods - Allein mit der Angst (2000)


Kaum ein Genre ist so in der angelsächsischen Kinotradition verwurzelt wie der Horror- beziehungsweise Gruselfilm. Gerade dies scheint immer wieder europäische Nachwuchsfilmer mit cinéastischem Horizont anzuspornen, den Vorbildern eine eigene Variante hinzuzufügen. Dabei wird leider gern vergessen, dass diese Vorbilder alles Mögliche haben, am wenigsten aber einen expliziten Kunstanspruch. Es geht vor allem darum, Genreregeln zu achten, handwerklich sauber zu arbeiten und das Publikum somit bei wohligem Grusel 90 Minuten in eine stimmige Schattenwelt zu versetzen. Jüngere amerikanische Horrorproduktionen wie zum Beispiel "Scream" haben längst begriffen, dass der Stoff heute keineswegs immer bierernst rüberkommen muss, sondern sich durchaus augenzwinkernd geben kann, gewissermaßen als immanente Parodie. Nach wie vor richtungweisend hier Sam Raimis virtuoses Meisterwerk "Tanz der Teufel", das kurioserweise Ärger mit der deutschen Zensur hatte. Die amerikanische No Budget-Produktion aus den frühen 80er Jahren stand denn auch unübersehbar Pate bei dem Filmversuch des 29jährigen Franzosen Lionel Delplanque. Hier wie da ist eine Autoladung mit Jugendlichen in fremder Umgebung unterwegs, um in einem abgelegenen Anwesen dezimiert zu werden. Bei "Deep in the Woods" sind es fünf Nachwuchsschauspieler, die von einem merkwürdigen Baron auf dessen Schloss eingeladen werden, um dort für seinen Enkel das Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf aufzuführen. Schon bald nach ihrer Ankunft mehren sich die Anzeichen, dass sie in dem ausladenden Gemäuer wenig Gutes erwartet. Und als in der Nacht der Schloßherr plötzlich verschwindet und dafür ein als Wolf verkleideter Fremder sein blutiges Unwesen treibt, setzt ein reges Ableben ein. Der junge Franzose hat sein Kinodebüt vor allem deshalb so brachial in den Sand gesetzt, weil er viel zu ambitioniert und kopflastig an die Sache herangegangen ist. Da werden die verschiedensten Mythen und Archetypen zu einer gänzlich unausgegorenen Anti-Geschichte zusammengerührt, die lange Zeit orientierungslos vor sich hintaumelt und einen darüber hinaus völlig kalt lässt. Da werden immer wieder Versatzstücke des hinlänglich bekannte Genre-Vokabulars zitiert, aber dann, jenseits erzählerischer Zusammenhänge, ziemlich in der Luft hängen gelassen. Zum Beispiel kommt mehrfach die aus "Tanz der Teufel" bekannte entfesselte Kamera, die durch den Wald rast, zum Einsatz. In der französischen Variante allerdings rein effektheischerisch und ohne Bezug zur Geschichte. Gleiches gilt überhaupt für weite Teile der Inszenierung. Einzelne Ideen, etwa Kamerafahrten oder –perspektiven sind nicht unoriginell, stehen aber nicht im Dienst der Geschichte. Trotz einiger Schauwerte verpufft "Deep in the Woods" also vollständig, und wohl in erster Linie, weil der Film sich viel zu ernst nimmt und hoffnungslos mit wirrem Ballast überfrachtet ist. Grusel ist nun mal eine lustbesetzte Stimmung, die im Spannungsfeld zwischen mitfühlender Angst und voyeuristischer Genugtuung angesiedelt ist. Die französische Produktion und ihr Autor und Regisseur ignorieren dies leider geflissentlich und sorgen dadurch für Ödnis und Langeweile. Schade !





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