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Weil ich ein Mädchen bin
Weil ich ein Mädchen bin
© Pro Fun Media

Kritik: Weil ich ein Mädchen bin (1999)


Der Film "Weil ich ein Mädchen bin" hat das "In & Out"-Problem: Wir können die amerikanischen Vorurteile nicht nachvollziehen. So bleibt die schrille Komödie schnell auf der Strecke, trotz toller Darsteller und manchmal wirklich schöner Gags. Coming Out-Komödien sind ein Problem, vor allem wenn man sie als Europäer aus den USA kommen sieht. Der dort konstruierte Humor baut auf einen fast unglaublichen Berg an Vorurteilen und Ignoranz auf. Den nachzuvollziehen heißt entweder aus der tiefsten Provinz zu kommen oder ganz einfach die letzten 10 Jahre verschlafen zu haben. Wenn auch wir in Deutschland noch weit davon entfernt sind, mit dem Thema Homosexualität normal umzugehen (das heißt, solange es überhaupt noch ein Thema ist) sollten wir zwar nicht zu sehr über den Atlantik schauen... im Falle eines Films wird es dann aber schon zu deutlich, wie weit die Amerikaner zurück sind, vor allem wenn im Presseheft zu "Weil ich ein Mädchen bin" der reale Hintergrund von solchen Umerziehungslagern für homosexuelle Jugendliche erläutert wird. Lange Rede, kurzer Sinn: "Weil ich ein Mädchen bin" schießt mit seinem zeitweise ebenso verkrampften Humor und seiner plumpen (in den USA wohl nötigen) Deutlichkeit weit über sein Ziel hinaus. Dabei hätte so mancher Aspekt wirklich ein guter Film werden können. Jamie Babbit erzählt ihre Geschichte in quietschbunten Bildern, die den 50er Jahre Bonbon-Himmel unberührter, amerikanischer Kleinbürgerlichkeit mit einem verschmitzten Augenzwinkern veräppelt. Dazu bietet sie mit einer wunderbar aufgelegten Cathy Moriarty, der Hauptdarstellerin Natascha Lyonne (American Pie), Clea DuVall (Eine wie keine) und Melanie Lynskey (!, Heavenly Creatures) die besten schauspielerischen Voraussetzungen, um als eine Mischung aus Teenie-Komödie und Gesellschaftssatire hervorragend zu unterhalten. Leider zünden aber aufgrund des oben genannten Hintergrunds gerade einmal die Hälfte der Gags und bauen auf ein und demselben Prinzip auf. So verpufft der Film im Ermüdenden. Ich weiß nicht, ob "Weil ich ein Mädchen bin" in Deutschland auch bei wirklich gutem Drehbuch hätte bestehen können. Mir persönlich ist der Grund, warum der Film gedreht wurde, schon zu genüge suspekt. Vielleicht ist dies aber nur persönlich so. Wem der (weitaus passendere) Originaltitel "But I'm a Cheerleader" in Zusammenhang mit Homosexualität mehr als ein Schmunzeln auf das Gesicht zaubert, der wird den Film wahrscheinlich mögen. Jeder andere sollte es sich zwei Mal überlegen.





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