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Sade
Sade
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Sade (2000)


Die schönsten Weihnachtsgeschenke sind nach wie vor die, die sich unverhofft und überraschend einstellen. Ein ebensolches hat der vorletzte Starttag des diesjährigen Filmjahres, das bekanntlich mit Highlights nicht gerade im Übermaß gesegnet war, für Cinéasten und andere Freunde geistreich anspruchsvoller Unterhaltung parat. Dabei wäre vorsichtige Skepsis durchaus angebracht. "Sade" ist ein französischer Kostümfilm, und die gehen einem nicht selten auf die Nerven. Das Genre scheint in Frankreich einfach nicht totzukriegen. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Franzosen der vermeintlichen Pracht und Glorie ihrer Historie bis heute allzu gerne frönen. Aber genug der Abschweifungen: "Sade" ist weder eine schwülstige Ausstattungsorgie noch spielt der sonst meist unvermeidliche Gérard Depardieu mit. Regisseur Benoit Jacquot umschifft in seiner biographischen Skizze des berühmt-berüchtigten Marquis de Sade sämtliche gängigen Klischee-Fallen souverän und elegant. Ihm ist ein ebenso intelligentes wie sinnenfrohes Meisterwerk gelungen. Paris 1794. Die Französische Revolution hat mit Nachdruck die alte Monarchie verjagt. Unzählige Adlige fristen in diversen Gefängnissen ein schäbiges Dasein. Unter ihnen befindet sich auch Marquis de Sade. Der alternde Freigeist und Verfasser skandalöser Schriften wie "Justine" ist den Jakobinern ebenso suspekt wie früher den Monarchisten. Seine ehemalige Geliebte Marie-Constance hat Beziehungen zu den derzeit Herrschenden und erreicht, dass Sade in ein Luxussanatorium verlegt wird. In dem früheren Kloster wartet ein Teil der besseren Gesellschaft von Paris auf den Prozess. In der exquisiten Umgebung gewinnt Sade das Vertrauen und die Freundschaft der blutjungen Emilie. Er nimmt sich vor, sie in die geheimnisvolle Welt der Liebe einzuführen. Und bevor der Lauf der Welt draussen endgültig über sein Schicksal entscheidet, inszeniert der Menschenfreund und Genießer Sade noch einmal ein großes Schauspiel von Lust und Hingabe. "Sade" ist auf seine Art geradezu ein Paradebeispiel für prächtige Kinounterhaltung auf hohem bis höchstem Niveau. Allein der exquisite Geistreichtum der geschliffenen Dialoge ist ein ungetrübtes Vergnügen. Daneben schafft die umsichtige und sorgfältige Inszenierung immer wieder Bilder von erlesenem Schauwert. Das i-Tüpfelchen auf alledem aber ist ein genialer Daniel Auteuil in der Hauptrolle. Eine vergleichbar intensive Leinwandpräsenz sucht man vermutlich nicht nur in Europa vergebens.




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