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Am Rande der Stadt
Am Rande der Stadt
© Salzgeber & Co

Kritik: Am Rande der Stadt (1998)


Techno und Träume
Einst beherrschten die Griechen den Olymp der Philosophen, nun, 2000 Jahre später, erklimmen sie den Olymp der hohen Filmkunst. Als ein Meilenstein dieser Entwicklung darf "Am Rande der Stadt" von Constantinos Giannaris angesehen werden. Freilich wirkt der insgesamt recht flotte Streifen auf den ersten Metern etwas lahm. Fast gewinnt man den Eindruck, als handle es sich um ein sozialkritisches semidokumentarisches Schlaglicht auf die verdrossen wirkenden russischen Migranten Athens. Entsprechend liegt die berufliche Orientierungslosigkeit des jungen Sasha (Stathis Papadopoulos), eine Art griechischer Brian Austin Green (Beverly Hills 90210), im Fokus der Eingangssequenzen.

Kaum hat man sich jedoch an den herben Doku-Flair gewöhnt, ändert sich unvermutet rasch die Atmosphäre. Regelmäßig eingestreute Interviews mit dem Protagonisten erzeugen mitsamt dem experimentellen Touch der aufkeimenden Spielfilm-Handlung eine überaus interessante Mixtur. Surreal anmutende Szenen, wie etwa eine gottverlassende Hochzeitsgesellschaft inmitten attischer Einöden kontrastieren zu harten, mit Technobeats unterlegten Clips. Die hoffnungslose Stimmung der verarmten, heruntergekommenen Viertel am Stadtrand Athens, das verhärmte Lebensgefühl der griechischen Russen oder "Pontioi" werden ebenso treffend skizziert wie ihre erbarmungslose Umwelt, bestehend aus korrupten Zuhältern, leidenden Huren und fordernden Eltern.

Zur wahren Liebe ist Sasha indes nicht fähig. Ihm geht es allein ums nackte Überleben, ums leicht verdiente Geld. Immer wieder eingespielte Traumsequenzen des Hauptdarstellers mit der Wunschprinzessin aus der fernen russischen Heimat stehen für den schwachen Hoffnungsschimmer in Sashas verdorrter Gefühlswelt. Als reale und damit auch ernüchternde Alternative tritt die von Zuhältern gedemütigte Prostituierte Natassa auf den Plan. Die sehr filigran eingefädelte Odyssee der gemeinsamen Flucht von Sasha und Natassa in sein Heimatdorf mündet in der Erkenntnis, doch nicht homosexuell zu sein sowie dem gewaltsamen Ende. Fazit: Ein innovativer Film mit Esprit!





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