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Kritik: The 6th Day (2000)


Am sechsten Tag schuf Gott den Menschen - Adam. Dass dieser im Zeitalter der Gentechnik als Klon vorliegt und somit gegen das 6th-day-Gesetz verstößt, ist der Auftakt für ein Schwarzenegger-Spektakel von Roger Spottiswoode ("Der Morgen stirbt nie"), dass mit perfektem Design und intelligenter Handlung besticht.

Schwarzenegger unterm Tannenbaum war nicht jedes Jahr eine glückliche Bescherung. Ob der mittlerweile 53-Jährige mit Knecht-Ruprecht-Mimik das Ende der Tage ausrief oder für seinen Filmnachwuchs einem banalen Geschenk nachjagte: manch ein "Terminator"-Fan verbiss sich da in seiner Popcorntüte.

Doch versprochen ist versprochen: getreu dem Motto "ich komme wieder" verziert der Wahlamerikaner die Festtage mit einem fulminanten Comeback. "End of Days" war die Aufwärmrunde. Und obwohl "The 6th Day" in USA ein astreiner Flop an der Kinokasse war, macht Arnie diesmal alles richtig.

"Ihr habt den falschen geklont" - diese Drohung im Trailer entpuppt sich als Programm. Schwarzeneggers eigentümliche Mimik und seine hölzernen One-Liner mögen inzwischen Garant für (unfreiwillige) Komik sein; zwischen den spielerisch eingefügten High-Tech-Features, imposanten Stunts und Effekten, die eine nahe Zukunft illustrieren, schlägt der harte und unbarmherzige Actionrhythmus früherer Tage.

Einer der Produzenten meinte, der Film habe keine Message, sondern sei nur Fun. Irrtum: Die Mischung umschließt auch die ethische Frage der Gentechnik. Diese dient nicht nur als Vorlage für den Thrillerplot. In ruhigen Abschnitten gelingen dank erstklassigen Darstellern, Robert Duvall inklusive, nachdenkliche und nahegehende Augenblicke. Dass beklemmende Reflexionen wie in "Gattaca" oder "Blade Runner" nur angedeutet werden, liegt an der Betonung des Saloppen und Schwarzeneggers Eigenschaft, sich als moralisches Gewissen der schönen neuen Welt zu präsentieren.

Parallelen zu "Die totale Erinnerung" sind nicht nur unübersehbar, sie sind dramaturgische Basis: wie aus dem nichts wird Schwarzenegger in ein paranoides Szenario geworfen, in dem sich beste Freunde als brutale Killer und die eigene Identität als gefährliche Illusion erweisen. Dämliche Serviceroboter und der Name einer Firma erinnern ebenso an Paul Verhoevens Hit, wie die harsche Gewalt.

Obwohl die heile Familie als Ausgangskonstellation kaum zu ertragen ist und der Film als jugendfrei eingestuft wurde, werden den Widersachern Hände und Beine weggeschossen, dass es eine Freude ist: sind eben nur Klone, keine Menschen. Allein diese Doppelmoral dürfte einigen übel aufstoßen. Die Kombination aus Unterhaltung, Action und brisanter Thematik steht dem steirischen Konzept allerdings ausgesprochen gut.

Fazit: Fulminantes Actionspektakel mit Arnold Schwarzenegger, dass seine Klon-Thematik in ein in naher Zukunft angesiedeltes Thrillerszenario einbettet und Hintergründiges mit massentauglichen Sprüchen verbindet.

Robert Knapp


Arnold Schwarzenegger plant einen Imagewechsel. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika will er werden. Und so fängt er jetzt schon vorsichtig an, sein Bild in der Öffentlichkeit zu ändern. Schließlich hatte man auch Ronald Reagans Cowboy Auftritte irgendwann einmal vergessen. Und den stahlharten Actionheld wird man Schwarzenegger ja auch nicht ewig abnehmen. Deswegen:

Mehr Gefühl, mehr Familie, mehr Sensitivität. Und weniger Schläge. Leider hat er sich die falschen Autoren und einen gelangweilten Regisseur ausgesucht. Dabei ist der Entschluss gar nicht einmal schlecht, die Geschichte in der nahen Zukunft spielen zu lassen und daran mögliche Folgen unserer Technikfixiertheit zu zeigen. Schnell erinnert sich der Zuschauer, ähnliches in beliebigen Zukunftsprognosen gelesen zu haben - das mit dem intelligenten Kühlschrank, stand das nicht schon in einer Computerzeitschrift? Oder doch in “Essen und Trinken“? So bleibt der Film auf einer gewissen Ebene noch immer realistisch, was aber natürlich nicht für die Actionszenen im Allgemeinen und den Showdown gelten kann. Hier ist natürlich - wie gehabt - alles bunt, laut und übertrieben.

Das Bemerkenswerteste also an diesem Film sind die Szenen mit Schwarzenegger als treuer Familienvater (samt liebenswerter Tochter und Hund), der eine beinahe eklig glückliche Ehe führt. Bemerkenswert deshalb, weil sie so bemüht und aufgesetzt wirken. Der Rest des Films sind teilnahmslose Special Effects und zwei, drei nette Ideen in einer Story, die wirkt, als wäre sie zwanzig Mal umgeschrieben worden. Der Film schafft es leider in keiner Minute uns zu packen.

Ein ganz gewöhnlicher Schwarzenegger - aber mit ein bisschen mehr Gefühl...






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