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Kritik: Marie-Line (2000)


Bärbeißig sitzt Marie-Line auf ihrem Reinigungsfahrzeug, mit dem sie durch ein Einkaufszentrum fährt. Kritisch beäugt sie jeden Winkel, denn sie ist Leiterin einer Putzkolonne, die bereits zweimal den Preis der „Putzkolonne des Jahres“ gewonnen hat. Auch diesmal will sie ganz oben dabei sein. Rauh faucht sie die Untergebenen an, wenn ihr etwas nicht passt. Da die Mitglieder des Reinigungstrupps zu einem großen Teil illegale Flüchtlinge sind, könnte man Marie-Line zunächst für eine Rassistin halten.

Die Grenze zwischen ehrgeiziger Zurechtweisung und Ausländerfeindlichkeit verläuft fließend in einer zunehmend hysterischeren Welt der öden französischen Provinz, welche die rechtsextreme Front National fest im Griff hat. Auch Marie-Line ist in der Partei, aber der Film zeigt uns eine gebrochene Biographie. Nur durch ihre Mitgliedschaft haben sie und die anderen Frauen den Job überhaupt bekommen. Das anfängliche Bild Marie-Lines gerät so immer mehr ins Wanken. Die scheinbare Gefühllosigkeit gegenüber den Problemen der illegalen Flüchtlinge entpuppt sich als Schutzpanzer, um nicht im Strudel einer schizophrenen Welt unterzugehen, die Ausländer zwar verabscheut, sie für Putzarbeit aber duldet. Vorsichtig setzt sie sich für ihre Mitarbeiter ein, die zum Teil in ständiger Angst leben, abgeschoben zu werden. Nachts im Einkaufszentrum haben sie bei der Arbeit ein Versteck gefunden, da der Tag ihre Existenz nicht akzeptieren will. Aber auch hier lauert Gefahr, wenn die Ausländerpolizei plötzlich auftaucht.

Ohne die große Geste zu bemühen widmet sich der Film diesen Problemen, zeichnet ein vielschichtiges Bild der Widersprüche, um zum Ende über seine Hauptfigur einen klaren Standpunkt zu beziehen. Wenn man sich selbst treu bleiben will, kann man sich nicht durchmogeln, sondern muss Farbe bekennen, ist eine Aussage des Films. Dass man immer das Buch und nicht den Umschlag beurteilen sollte, eine andere.





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