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Kritik: Die Stille nach dem Schuss (2000)


Zu der an purzelnden Kapriolen nicht eben armen jüngeren deutschen Geschichte gehört auch die Kuriosität, dass diverse RAF-Mitglieder in den 80er Jahren von höchster Stelle aus der DDR in die DDR aufgenommen wurden. Was sich da an deutsch-deutscher Abgründigkeit auftat, ist bis heute wohl noch nicht restlos geklärt, fand jedoch in jedem Fall nach der Wende 89/90 ein vorläufiges Ende. Aber so ganz hat sich das allgemeine Kopfschütteln der politisch wachen Öffentlichkeit hierzulande immer noch nicht gelegt, die Fassungslosigkeit darüber, dass die selbsternannte Speerspitze des bewaffneten Befreiungskampfes sich ausgerechnet in die offenen Arme der institutionalisierten Spießigkeit geflüchtet hatte und sich dort gar noch wohlfühlte. So manch vormalige klammheimliche Freude aus distanzierter Beobachterposition wird sich im Nachhinein in ebensolche Beschämung gewandelt haben.
Wie auch immer, Material für diverse künstlerische Bearbeitungen von Zeitgeschichte wurde hier reichlich geliefert. Filmisch wäre vom sezierenden Psychodrame bis zur schrillen Groteske so einiges denkbar. Nun hat sich also Volker Schlöndorff des Stoffes angenommen, ein verdienstvoller Regisseur, der verschiedentlich bewiesen hat, dass politische Brisanz in spannende Filmgeschichten Eingang finden kann. In "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" war der deutsche Terrorismus schon einmal sein Thema gewesen.
Auch der neue Film beginnt in den 70er Jahren. Über romantisierende Anarchievorstellungen kommt Rita Vogt zur RAF. Hohe moralische Standards und die Liebe zum Terroristen Andi treiben sie in die Arme des bewaffneten Kampfes. Nach einem Mord an einem Polizisten steht sie ganz oben auf der Fahndungsliste. Die Flucht kreuz und quer durch Europa und den Nahen Osten endet in der DDR. Mit Hilfe der Stasi kann sie untertauchen und beginnt unter anderer Identität eine neue Existenz. Rita führt ein mustergültig braves Leben in den Reihen der Arbeiterklasse. Am Arbeitsplatz in der Fabrik freundet sie sich mit ihrer jungen Kollegin Tanja an. Sie hat genau die gegenteilige Fluchtbewegung, nämlich die in den vermeintlich goldenen Westen, im Kopf. Die Freundschaft der beiden völlig unterschiedlichen Frauen endet abrupt, als eine Fahndungsmeldung im Westfernsehen auf Rita aufmerksam macht. Erneut muss die mittlerweile geläuterte Terroristin fliehen. An der Ostsee lernt sie den Studenten Jochen kennen. Die gemeinsamen Pläne, zu heiraten und nach Moskau überzusiedeln, werden dann aber vom Mauerfall und dem Ende der DDR eingeholt.
"Die Stille nach den Schuss" ist eine recht herbe Enttäuschung. Der Film bleibt leider weit hinter den Erwartungen, die man speziell an Schlöndorff bei einem solchen Thema stellen durfte, zurück. Die Umsetzung des Drehbuchs von Wolfgang Kohlhaase ist dermaßen spröde und blutarm geraten, dass es völlig unklar bleibt, was den Regisseur eigentlich an dem Thema gereizt hat. Die meisten Personen bleiben austauschbare Marionetten, denen nicht selten unfreiwillig komische Texte in den Mund gelegt werden, was nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Geschichte beiträgt. Hinzu kommt, dass das Ganze äußerst bieder inszeniert ist und somit vom Gesamteindruck nicht selten an einen SAT 1 Fernsehfilm erinnert.





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