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Kritik: Der König tanzt (2000)


Wenn nach der Hälfte eines Films noch immer nicht klar ist, wer eigentlich der Protagonist ist, dann liegt einiges im Argen. Ist es der König, der als einziger eine Wandlung im Film vollzieht und schließlich auch im Titel benannt wird? Oder doch der Hofkomponist Lully, dessen bedingungsloses Anpassungsverhalten Triebfeder des ganzen Spiels sein soll? Der Sympathischste ist zumindest ein ganz Anderer: Der Hofdichter Molière, gespielt von Tcheky Karyo, der den kranken Dichter glaubwürdig verkörpert und dabei sehr an Gerard Depardieu erinnert. Es gibt einiges, was in diesem Film nicht funktioniert. Neben der Austauschbarkeit aller Frauenrollen sind es die zahlreichen Längen. Diese rühren daher, dass Regisseur Corbiau die Tanzszenen unnötig ausdehnt und wohl dem Zauber der Requisite erlegen ist. Diese Ausstattung aber gehört zu den Höhepunkten des Films. Gedreht in den Kölner Studios in Ossendorf und deshalb unterstützt von der Filmstiftung NRW, wurde ein prächtiges Versailles nachempfunden, das die Täuschung perfekt macht. Die Schwächen von „Der König tanzt“ werden noch deutlicher, wenn man den Film mit anderen Musikfilmen wie z.B. „Amadeus“ vergleicht. Der Protagonist dort, Salieri, wirkt um einiges plausibler. Der Zwang, der ihn treibt wird immer offenbar. In „Der König tanzt“ agiert der Komponist Lully unentschlossen, und obwohl uns das Drehbuch seine Gründe mehrmals ausführlich erklären will, mag der Zuschauer ihm nicht so recht folgen. Denn wo sonst Hingabe oder auch Wahnsinn faszinieren kann, bleibt Lully nur der blanke Egoismus. Und dieser reicht nicht aus, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.
Ist es ein Muss, in jedem Musikfilm von Gier, Manie, Getriebenheit und schließlich der heilenden Kraft der Musik zu sprechen? Bis auf den Geniegedanken wird hier jedes Klischee erfüllt. Doch sind alle in diesem Film unglücklich. Die Liebe hat hier keine Chance. Was für eine traurige Aussage!





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