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Kritik: Girlfight- Auf eigene Faust (2000)


Robert Redfords Sundance-Festival begründet seit Jahren seinen exzellenten Ruf, nicht zuletzt durch die sichere Wahl bei der Preisvergabe. Womit "Girlfight" als die Entdeckung gefeiert werden kann, die der große Preis der Jury verspricht. Weitab der touristenverwöhnten Skyline New Yorks spielt Karyn Kusamas bravouröser Erstling, der den Klischees des Hollywood-Sportdramas selbstbewusst Schnippchen schlägt und mit seinem eigenen Stil aus Sozial-, Liebes- und Boxdrama ins Zuschauerherz spielt. Der unkomplizierte Umgangston, der statt Rührseligkeit Humor, statt Depression Lebenslust und statt Problemen Lösungen anbietet, sucht im derzeitigen Kino seinesgleichen. Erste Liebe und Erwachsenwerden finden nicht in den üblichen Pointen, die sich ohnehin nur noch für Komödien eignen, ihre Erfüllung, sondern werden aus den Augen der Hauptdarstellerin mit einnehmender Ehrlichkeit und sicherem Gespür fürs authentische Detail erzählt. Trotz der scheinbaren Themenfülle bleibt Kusamas Debüt schlank und kalorienarm: weder Gefühlsüberschwang noch aufgesetzte Tragik verschmieren den von Indie-Gott John Sayles geschulten Blick aufs Leben. Leichte, anregende lateinamerikanische Rhythmen unterfüttern die kleinen Erfolge und Rückschläge, die der beispiellos unverfälscht agierenden Michelle Rodriguez widerfahren. Eine Lektion im Kinoreinheitsgebot, die über den nötigen Feel-Good-Charme und Ernst verfügt, um zum faustdicken Erfolg zu werden. Robert Knapp
"Girlfight" ist sozialrebellisch auf zwei verschiedenen Ebenen, die wirkungsvoll ineinander greifen und so den Film zu einem stimmig abgerundeten Kämpferdrama machen. Zum einen gibt es die Auflehnung Dianas gegen ihre direkte Umgebung, den Freund, den Vater, die ihren Willen zu Boxen nicht verstehen können. Sie muss sich gegen die Widerstände durchsetzen. Klischees und Vorurteile bilden den Nährboden für das einengende Klima, das dem Mädchen ihre Wünsche nicht gönnen will. Zum anderen kämpft Diana gegen das soziale Stigma ihrer Herkunft. Sie ist eine Latina aus armen Verhältnissen, deren Leben alles andere als rosig verläuft. Gesellschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten gibt kaum. Mit viel Liebe zu einer detailreichen Milieustudie schildert "Girlfight" die Umstände unter denen Diana lebt. Sterile, heruntergekommene Mietskasernen bevölkern die trostlose Welt genauso wie schäbige Boxclubs. Diesen Platz muss Diana zunächst akzeptieren, aber genau daraus schöpft sie auch ihre Energie und Kraft, um für sich zu kämpfen. Das ist der einzige Pluspunkt in einer scheinbar festgefügten Existenz, den sie überhaupt bekommen wird. "Girlfight" gelingt es auf geschickte Art und Weise, in ihrer Figur Sehnsüchte nach einem besseren Leben sowie eine aggressive Straßenmentalität zu bündeln. Dadurch weist der Film über die Milieustudie hinaus und deutet auf das Streben des Menschen in schwierigen Situationen allgemein hin. Er feiert die Fähigkeit, seinen Weg unter widrigen Umständen zu Ende zu gehen, ohne seine Seele verkaufen zu müssen. Durch seine zweigleisige Auflehnungsthematik hat Regisseurin Karyn Kusama ein faszinierendes Erstlingswerk geschaffen, dass zu Recht in Sundance, Cannes und auf anderen Festivals Preise gewann.





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