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Kritik: The Calling (2000)


Wieder einmal wird ein in seinen Grundzügen guter Film zum Opfer eines Kardinalfehlers deutscher Regisseure: Richard Caesar scheint seine Figuren nicht zu kennen oder er scheut sich davor, ihr Innenleben zu erforschen. War es womöglich die Angst vor dem Grauen? Denn für einen Suspense-Thriller erleben wir die Akteure seltsam unmotiviert plötzliche Boshaftigkeit entwickeln. Dem Intrigen-Opfer Kirstie geht es kaum anders: Als Strafe für ihren Lebenswandel mag der finstere Komplott gegen sie kaum durchgehen, denn auch sie scheint ein seelenloses Wesen ohne Vorgeschichte zu sein. So kann man seine Figuren nicht im Dunkeln tappen lasen, auch wenn es sich um einen Mystery-Schocker dreht. Natürlich wirkt gerade die Sinnlosigkeit des ganzen Horrors anfangs noch umso horrender und regt zum Grübeln an. Was soll das alles? Doch das fragt man sich bis zum Ende, falls man solange ausharrt.

Immerhin gewinnt der Film in der zweiten Halbzeit an Bildkraft und die morbiden Impressionen verdichten sich zu einem wahrhaft farbenreichen Horrorgemälde. Technik und Gestaltung sind wie so oft kein Manko, was jedoch den mangelnden Tiefgang auf Dauer nicht verdecken kann – eine Erkenntnis, die zahlreiche deutsche Regisseure wohl erst nach dem zweiten oder dritten verpatzten Film gewinnen.

Sei’s drum: Bei all den typischen Gruseleffekten mag man gerne mitschaudern, auch wenn man sich lieber gleich das Original anschauen kann. In etlichen Szenen liefert das Strickmuster von „Das Omen“, „Rosemarys Baby“ oder auch „The Fog“ den passenden Hintergrund für diese Story, doch scheinen die Macher von „The Calling“ beim Nachstricken so manche Fäden verloren zu haben. Eine Generalabrechnung ist aber nicht gerechtfertigt, zumal die einzelnen Schockeffekte durchaus packend inszeniert sind und die malerische Kulisse Südenglands erfolgreich an die positiven Instinkte der Sherlock-Holmes-Fans appelliert. Oder auch: Schöne Bilder!





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