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Leelee Sobieski in 'Das Glashaus'
Leelee Sobieski in 'Das Glashaus'
© Columbia TriStar

Kritik: Das Glashaus (2001)


Am Ende hat die Schwachsinnigkeit einen Film eingeholt der eine Stunde lang ausgezeichnet gebaut war. Im ersten Teil folgen wir durch die Augen eines 16jährigen Mädchens der einschnürenden Situation in ihrer Pflegefamilie. Gemeinsam mit dem 11jährigen Bruder lebt sie unter der Vormundschaft eines befreundeten Ehepaars, nachdem die Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Das grandiose, prunkvoll über der Steilküste Malibus thronende neue zu Hause wirkt wie ein Traum, aber die erste böse Überraschung liegt bereits auf der Lauer. Beide Kinder sollen trotz überwältigender Anzahl von Räumen in einem Zimmer wohnen. Kaum haben sie das überwunden und versuchen, sich in die ungewohnte Umgebung einzuleben, zieht sich das Netz der Einschränkungen sowie mysteriösen Ereignisse enger zusammen. Nachts wird die Alarmanlage eingestellt, das Mädchen fühlt sich von ihrem Pflegevater bedrängt, seltsame Männer scheinen ihn zu bedrohen und der üppige Treuhandfond beider Kinder, über vier Millionen Dollar, ist eine schmackhafte Beute. So lange die unangenehme Atmosphäre aufgebaut wird, überzeugt "The Glass House" auf der ganzen Linie. Leise balanciert er auf dem schmalen Grad zwischen tatsächlicher Unterdrückung und Phantasterei eines pubertären Teenagers. Die Alarmanlage, das anzüglich wirkende Herüberbeugen des Pflegevaters, welcher dem Mädchen nur den Gurt anlegt, sowie die allgegenwärtige Elternkontrolle lassen offen, ob es sich um das Haus eines Psychopathenehepaars handelt oder ob alles nur überzogen wahrgenommen wird. So kreiert der Film nicht nur eine luftabdrehende Atmosphäre, sondern entwickelt geschickt ein Gedankengeflecht über den Bezug von Erziehung und Freiheitsentzug sowie über die Psyche einer Heranwachsenden. Nach erwähnter Stunde drückt aber jemand auf einen Knopf, so dass plötzlich ein anderer Film abläuft. Die Subtilität des Spannungsaufbaus wird durch ein holpriges Katz- und Mausspiel eingetauscht, bei dem alle nur noch hektisch durch die Gegend hetzen, herumchargierende, wenig intelligente Klischeekiller auftauchen und Menschen ohne Grund abgestochen werden. Zwar gelingt es Regisseur Sackheim, in dieses Ende einzubinden, dass Erwachsen werden etwas mit dem Verlust der Unschuld zu tun hat, aber der Stilbruch bleibt äußerst unangenehm in Erinnerung.





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