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Poster - Die fabelhafte Welt der Amélie
Poster - Die fabelhafte Welt der Amélie
© Prokino

Kritik: Die fabelhafte Welt der Amélie (2001)


Viele Gründe gab und gibt es, über ein bislang unterdurchschnittliches Kinojahr zu klagen. Ab dem 16. August wird sich daran grundsätzlich nichts ändern, aber es gibt immerhin einen Grund weniger. Und der kommt aus Frankreich und heißt "Amélie". Der neue Film von Jean-Pierre Jeunet ist ein echter Glücksfall fürs Kino, ein bezauberndes Meisterwerk, das sein Publikum geradezu beseelt. Dabei ist "Amélie" keineswegs ein Film, über den sich hinterher in der Kneipe oder sonstwo trefflich diskutieren lässt. "Amélie" hinterlässt einfach ein lang andauerndes Gefühl postcinéastischer Leichtfüßigkeit und guter Laune. Und das überrascht bei Jeunet schon ein wenig. Der hatte mit "Delicatessen", "Stadt der verlorenen Kinder" und "Alien: Die Wiedergeburt" zwar fantasievolle Fabulierlust und kraftvollen Gestaltungswillen bewiesen, die Geschichten jedoch stets etwas düster umhaucht. Davon kann bei "Amélie" keine Rede sein. Der Film strahlt und funkelt, lichtvoll und farbenfroh, voller Lebensfreude und irdischem Glück. Dabei scheint die titelgebende Heldin, eine Mittzwanzigerin in Paris, gar nicht so ganz von dieser Welt zu sein. Aber obwohl sie den Kopf oft in den Wolken hat, steht sie doch mit beiden Beinen auf der Erde. Und dort tagsüber in einem kleinen Bistro, das von allerlei schrulligen Stammkunden belebt ist. In dem skurrilen kleinen Universum tragen alle schwer an ihrem Schicksal, während Amélie als Kellnerin immer leicht verschmitzt ihr großes Herz serviert. Als Amélie eines Tages hinter einer Kachel ihres Bades ein Schmuckkästchen mit allerlei Kindheitserinnerungen findet, beschließt sie, den Besitzer ausfindig zu machen. Der 50jährige ist bald gefunden und derart beglückt, dass Amélie weiterhin feengleich in das Leben Anderer eingreift: mal als Schutz- dann als Racheengel. Nur ihrem eigenen Glück vermag sie nicht so recht auf die Sprünge zu helfen. Obwohl sie durchaus weiß, dass es die Gestalt des jungen Mannes hat, dessen seltsame Spleens ihren eigenen in nichts nachstehen. Womit es nun also die Sache anderer guter Geister ist, einmal Amélie zu helfen.... Kaum zu glauben, dass es Jeunet nach seinem (gelungenen) Ausflug in den Hollywood-Mainsteam gelungen ist, vollständig zu seinen Wurzeln zurückzukehren. "Amélie" ist von der Stimmung her ganz einem poetischen Realismus verschrieben und genemigt sich immer wieder Anleihen bei der nouvelle vague. Dabei ist der Film von einer derart dichten Ideenfülle, dass Magie nicht nur gelegentlich aufblitzt, sondern fast schon zum Prinzip wird. Dazu bei trägt natürlich auch der Stil des Films, der voller ungewöhnlicher Blickwinkel und überraschender Kamerabewegungen ist. Jeunets ganz große Kunst ist es hierbei, dass die visuelle Überwältigung nie die Geschichte in den Hintergrund drängt. Auch und gerade die digitalen Tricks transportieren den seltenen Zauber dieses wunderbaren Films. Gleiches gilt für die feengleiche Hauptdarstellerin Audrey Tautou, die tatsächlich nicht so ganz von dieser Welt zu sein scheint.




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