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Von Hölle zu Hölle - Anja Kling
Von Hölle zu Hölle - Anja Kling
© Progress Film

Kritik: Von Hölle zu Hölle (1999)


„Wieder mal ein Film über den Holocaust“ – zu diesem Gedanken könnte man auch zu Beginn dieses Films geneigt sein. Doch bald wird der Zuschauer eines besseren belehrt: Eine ganz andere, privatere Geschichte hat der Regisseur als roten Faden gewählt. Von Anfang an steht das Ehepaar und seine kleine Tochter im Vordergrund – und so soll es trotz aller Kriegs- und Nachkriegswirren im gebeutelten Polen auch bleiben.
Klugerweise verzichtet die Regie auf bombastische Inszenierungen des Nazi-Terrors und spektakuläre Kampfszenen, wird hier die Dramatik des Holocaust doch klug ins Private überführt. Es gelingt dem Film, im Zusammenhang mit Holocaustfilmen immer noch recht seltene Akzente zu setzen: Da spiegelt sich zu einen die Zerissenheit des jüdischen Volkes in der Tragödie um die Kleine, das verständliche Poker ihrer polnischen Gastfamilie und ihren natürlichen jüdischen Eltern erhält nach und nach eine dramatischere Note und ist eingebettet in die schwelenden antisemitischen Ressentiments der Polen. So gerät im Verlauf der Familientragödie das polnische Heimatdorf an den Rand menschlicher Abgründe, als der aufgewiegelte Moloch zu den Waffen greift und an den verbliebenen Juden Lynchjustiz verübt. Geschickt kombiniert „Von Hölle zu Hölle“ verschiedene Erzählstränge zu einem stimmigen Panorama, in dem übertriebener Pathos ebenso fehl am Platze ist wie inszenierte Boshaftigkeit. Gerade durch die natürlich wirkenden Reaktionen sowohl der deutschen Besatzer wie auch der geknechteten Polen entsteht ein echtes Schaudern – menschliche Regungen geraten hier zum Bodensatz eines permanenten Horrors. Ein wenig störend ist die anfangs doch etwas hastige Verkettung von Dorf- und Familienszenen, so dass der Betrachter erst im späteren Verlauf eine Nähe zu den Protagonisten erreicht.
Alles in allem ein sehr aufwühlender Streifen, dem die einfache Gestaltungsweise in allen Facetten zupass kommt: Zu keinem Moment droht die Regie ins Monumentale abzugleiten und bleibt ihrem Blick aufs Persönliche stets treu.




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