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Kritik: Die Zeit der trunkenen Pferde (2000)


Fast 50 Minuten dauert es in „Die Zeit der trunkenen Pferde“ bis der Geschichte ein weiterer Aspekt hinzugefügt wird. Bis dahin begnügt sich der Regisseur, den einen Satz „Das Leben ist hart für kurdische Kinder im iranisch-irakischen Grenzgebiet“ zu bebildern. Leider fällt ihm dafür nicht mehr ein als die karge Landschaft - mal steinig, mal schneebedeckt – in Szene zu setzen.

Die bemerkenswerte Aktionslosigkeit, welche virtuos in die Länge gezogen wird und die vermutlich zum 10millionensten mal irgendwelche Rezensenten davon schwärmen lassen wird, mit welch beindruckend dokumentarischem Stil der Film doch inszeniert sei, erweist sich schließlich als Falle. Da wird jeder noch so belanglose Handgriff gezeigt, die Schmuggelzüge über die Grenze minutenlang abgefilmt, ohne das eine Inszenierung erfolgen würde oder durch die Nichtinszenierung etwas wichtiges erzählt würde. Vielmehr ist „Die Zeit der trunkenen Pferde“ ein Film, bei dem man bereits nach 5 Minuten verstanden hat worum es geht.

Der oben erwähnte Satz, dass das Leben hart ist, findet keine komplexe Auffächerung, weil es das Drehbuch versäumt irgendwelche Zusammenhänge deutlich zu machen. Es begnügt sich statt dessen damit zu erwähnen, dass geschmuggelt wird und dann sieht man das über 50 Minuten lang in mehreren Zügen. Welche Auswirkungen das Schmuggelgeschäft hat; wer die Menschen sind, die das organisieren; wer die Hinterhalte legt; ob das die einzige wirtschaftliche Chance für die Dorfbewohner ist oder ähnliche Fragen behandelt der Film nicht. Auch handelt es sich nicht um eine Studie der fünf Geschwister und welche Auswirkungen das karge Dasein auf sie hat. Insofern besitzt „Die Zeit der trunkenen Pferde“ weder den Charakter eines dramatischen Werkes, da es dafür an einem Spannungsbogen mangelt, noch den Charakter einer bedrückenden Alltagsstudie, da dafür die Zusammenhänge fehlen. Statt dessen „weiß“ man nach 79 Minuten, dass das Land an der iranisch-irakischen Grenze vermint ist, es vaterlose Kinder nicht leicht haben, familiäre Regeln (der nach 50 Minuten hinzugefügte Aspekt) manchmal unangenehm sind und dass die iranischen Kurden liebe Menschen sind, die es einfach nur ungerecht getroffen hat. 4 bis 5 Sätze auf einem Notizzettel hätten dafür auch gereicht.





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