VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Audition (1999)


Wo Takashi Miike zuschlägt, wächst kein Gras mehr. Der japanische Workaholic galt bislang als heißer Festival-Geheimtipp ("Fudoh") und wird jetzt mit Programmkino-Ehren geadelt. Sein 1999 entstandener Schocker weicht von seiner wilden und randalierenden Linie ab, erweist sich aber als reißender Wolf im Schafspelz. Miike beginnt mit einem braven und genau beobachteten Familiendrama, das bald zur zarten Romanze gedeiht. Nichts deutet auf seine weiteren Absichten hin - mehr als eine Stunde lullt er den ahnungslosen Zuschauer ein, der sich ganz auf sensibles, langsame Kost einstellt. Als sich dann die Zeichen der Gefahr mehren, ist man so ungläubig wie der Hauptdarsteller: präzise und lebensecht gezeichnet, verströmt die im heutigen Japan spielende Handlung Sicherheit. Selbst der Wandel in ein surreales Albtraumszenario ist inhaltlich dezent und stilistisch durchdacht, das die rücksichtslose Drastik des Finales erst im Nachhinein an Wirklichkeit gewinnt. Gewöhnlich sind es schlicht gefilmte Billigproduktionen, die Tabus einreißen: ihre eigenen Mängel rauben ihnen die beabsichtigte Schockwirkung. Miikes Thriller hingegen spekuliert nicht auf Splatterspaß und schnelles Geld. Sein seriöser, sensibler Auftritt verschafft dem Höhepunkt eine explizite Wirkung, die in etwa der Folterszene in "Der Marathon Mann" entspricht - nur, dass sie zehn Minuten dauert. Keine Warnung an sanfte Gemüter kann dem verstörenden Potenzial gerecht werden, dass "Audition" enthält. Ein perfektes Trauma, der alles andere als ein Vergnügen ist.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.