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Wickie und die starken Männer
Wickie und die starken Männer
© Croco Film

Kritik: Wickie und die starken Männer (1973)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wer in den 1970ern und 1980ern aufgewachsen ist und ein Fernsehgerät zu Hause hatte, kann sie alle mitsingen, die Titelsongs der Zeichentrickserien aus dem Kinderprogramm – von "Die Biene Maja" über "Pinocchio" bis "Heidi". Was viele der damaligen Zuschauer bis heute nicht wissen, ist, dass diese Serien allesamt in Japan gezeichnet wurden. Aus Kostengründen gingen das ZDF und bei einigen Serien auch der ORF eine Koproduktion mit Fernost ein. Den Anfang machte 1974 die Adaption von Runer Jonssons Kinderbuch "Wickie und die starken Männer" (1963). Daraus entstanden eine 78-teilige Serie und später auch ein Film, der sich aus einigen Episoden der ersten Staffel zusammensetzt.

Die Zeichnungen hielten schon damals nicht mit hochwertigen Kinoproduktionen mit, waren ja aber auch für ein ganz anderes Medium gedacht. Im Vergleich mit der Neuauflage der Fernsehserie, die seit 2014 in mittelmäßiger 3D-Optik daherkommt, versprühen die alten Animationen aber geradezu einen angenehmen Retro-Charme. Kommt ein bisschen Action ins Spiel, gerät die an Mangas und Animes geschulte Dynamik aus Erwachsenensicht schnell unfreiwillig komisch. Die große Stärke war und ist aber sowieso der Humor, der auch heute noch prima funktioniert.

Schon Runer Jonssons Vorlage nimmt den Mythos der brutalen und furchteinflößenden Wikinger genüsslich auf die Schippe. Die Adaption steht dem in nichts nach. Halvars Mannschaft ist die Karikatur der im Titel angekündigten "starken Männer". Am Ende siegt stets der Verstand über die Muskelkraft. Und Running Gags wie Gorms Ausspruch "Ich bin entzückt" sorgen für Gelächter. Die deutschen Texte stammen übrigens vom 2015 gestorbenen Synchronsprecher, Dialogregisseur und Dialogbuchautor Eberhard Storeck. Dessen bekannteste Synchronrolle ist Willi aus "Die Biene Maja". Bei "Wickie und die starken Männer" erfüllt Storeck mit seiner unverwechselbaren Stimme den Faulpelz Snorre mit Leben.

Fazit: "Wickie und die stärken Männer" hat bis heute nichts von seinem Witz und Charme eingebüßt. Die Filmversion der gleichnamigen Fernsehserie ist ein Spaß für Klein und Groß, der amüsant vor Augen führt, dass man mit Hirnschmalz weiter kommt als mit Muskelmasse.




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