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Brendan trifft Trudy
Brendan trifft Trudy
© Prokino

Kritik: Brendan trifft Trudy (2000)


Oft ist an dieser Stelle vom einem erklärten Bewunderer das hohe Lied des neuen englischen Kinos gesungen worden. Dazu gibt der aktuelle Beitrag "Brendan trifft Trudy" leider nicht den geringsten Anlaß. Diesmal also ein Klagelied über einen völlig mißlungenen Film von der Insel. Dabei verwundert dies auf den ersten Blick, immerhin stammt das Drehbuch (wie auch die Produktion) aus der Feder von Roddy Doyle. Und der ist nicht nur einer der bekanntesten irischen Romanautoren. Aus dreien seiner Werke hat er Drehbücher für berühmte Filme verfaßt (Commitments, Snapper, Fisch & Chips). "Brendan trifft Trudy" ist nun sein erstes Original-Drehbuch, und das läßt so ziemlich alles vermissen, was die vorherigen Werke ausgemacht hat. Stattdessen zieht sich behäbig eine Story in die Länge, die vorgibt, eine romantische Komödie zu sein, aber jeden filmischen Beweis dafür schuldig bleibt. Brendan ist ein schüchterner und reichlich stoffeliger Lehrer, der mehr in der Fantasiewelt seiner cinéastischen Obsessionen, als in der Realität lebt. Eines Tages tritt dann in Form der quirligen Trudy das schiere charakterliche Gegenteil in sein Leben. Brendans brave und behütete Welt steht fortan Kopf. Plötzlich findet er sich wieder auf wilden Partys, bei leidenschaftlichem Sex sowie ebensolchen Prügeleien mit der Polizei und inmitten nächtlicher Raubzüge. Aber kaum hat der schrullige Lehrer Gefallen gefunden am exzessiven Leben zu zweit, scheint der Traum auch schon wieder zu zerplatzen. Nach einer familiären Zerreißprobe droht Trudy, ihm den Laufpaß zu geben. Die Versöhnung wird mit einem dramatischen Einbruch in Brendans Schule gefeiert. Doch dann taucht plötzlich die Polizei auf... Nun ist es keineswegs so, daß nicht einzelne Elemente des Films attraktiv und interessant wären. Aber leider will hier so gar nichts zusammenpassen und sich in ein stimmiges Ganzes fügen. Zum Beispiel die beiden Hauptdarsteller: Eigentlich nicht schlecht, aber von der unbeholfenen Regie völlig allein gelassen. Man hat den Eindruck, daß sie zwar möchten und auch könnten, aber leider keine Chance erhalten, die für das Genre unverzichtbare Chemie zu entwickeln. Somit hat der Film von Anfang an ein katastrophales Glaubwürdigkeitsproblem. Es bleibt völlig im Dunkeln, was in Dreiteufelsnamen die lebenslustige und attraktive Trudy an dem drögen Langweiler Brendan eigentlich findet. Was dem Film desweiteren fehlt, ist Tempo, Rhythmus und vor allem Witz. Ohne Charme und Esprit plätschert das Geschehen vor sich hin, und man fragt sich unwillkürlich, wen oder welche Zielgruppe sich eigentlich dafür interessieren soll. Nicht einmal - und das ist schon fast ein Offenbarungseid für einen versierten Autor wie Roddy Doyle - die Dialoge stimmen. Vieles, was hier wohl lustig sein soll, ist vor allem albern und in einigen besonders quälenden Momenten gar peinlich. Zu allem Überfluß ergeht sich ein Erzählstrang des Films auch noch in reichlich anbiedernder politischer Korrektheit. So bleibt denn beim Verlassen des Kinos nicht viel mehr haften als die Erkenntnis, einen Film gesehen zu haben, der in geradezu exemplarischer Weise in den Sand gesetzt wurde.




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