VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: One Hour Photo (2002)


Für manche Menschen ist das Leben in Illusionen das einzige Glück, welches ihnen in ihrem Dasein bleibt. Regisseur Mark Romanek erzählt in "One Hour Photo" von den künstlichen Trugbildern der amerikanischen Gesellschaft, indem er anhand eines SavMart-Angestellten eine Studie über Einsamkeit und Isolation anstellt.

Robin Williams spielt diesen Mann als etwas verschrobenen Sonderling mit übertriebener Höflichkeit, der den Photo-Laden innerhalb des Supermarktes leitet. Die Schnappschüsse seiner Kunden, Momente des Glücks aus deren Leben, bereiten ihm eine innere Befriedigung. Er, dessen Existenz durch Trostlosigkeit geprägt ist, ernährt sich von solchen Illusionen einer heilen Welt, wie ein Säugling von der Muttermilch. Vor allem eine Familie, die zu den Stammkunden gehört, hat es ihm so angetan, das er sich mehrfach als dazugehöriges Mitglied in ihre wunderbare Welt hineinträumt. Zögerlich nähert sich der Angestellte deren jungem Sohn mit Geschenken. Als er aber durch Zufall feststellen muss, dass der Familienvater seine Frau betrügt, bricht für den Angestellten eine Welt zusammen. Er setzt alles daran, den Ehebruch nicht ungesühnt zu lassen. Gleichzeitig wird er noch wegen Unregelmäßigkeiten entlassen.

Der zweifache Zusammenbruch der Scheinwelten entwickelt sich als konsequente Reflexion über die Ideale einer Gesellschaft. Mit klinisch reinen Bildern setzt Romanek die Atmosphäre innerhalb des SavMarts in Szene. "Das sind nicht ihre Kunden, das sind SavMart-Kunden", weist der Manager den Photo-Laden-Angestellten an einer Stelle zurecht. Nichts, nicht einmal persönliche Beziehungen zu den Konsumenten, darf die oberflächlich saubere Welt des Kaufparadieses stören. Das gehört ebenso zum Charakter der idealisierten Wirklichkeit, wie das konsequente Ausblenden unglücklicher Momente auf den Familienphotos. Der Angestellte, dem sein Ersatzglück genommen wurde, hebt mit Hilfe einer aggressiven Naivität den Schleier vom trügerischen Märchenland. Er ist die stets bedrohliche Wiederkehr einer abnormen Tugendhaftigkeit, eine Gefahr, die auch in "One Hour Photo" immer auf spannende Weise präsent ist.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.