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Kritik: The Royal Tenenbaums (2001)


Wer in eine Wes Anderson-Komödie geht, sollte vorgewarnt sein. Der Humor des Amerikaners ist gewöhnungsbedürftig. Und einige werden einwenden, "The Royal Tenenbaums" sei total langweilig und über so Sachen wie einen Selbstmordversuch mit Hilfe von Rasierklingen könne man nicht lachen.

Soll man ja auch gar nicht. Doch egal, was die Motzkis meckern - "The Royal Tenenbaums" ist eine wunderbare Komödie aus einer Kombination guter Gründe. Erstmal wird eine warmherzige Geschichte zutiefst menschlich erzählt. Hier schmiert sich keiner Sperma in die Haare oder schwingt Babys an der Nabelschnur wie an einem Lasso. Der Humor entwickelt sich ganz aus den Charakteren, und Anderson, der zusammen mit Mitspieler Owen Wilson auch das Drehbuch geschrieben hat, hat äußerst originelle Figuren bis in die Nebenrollen kreiert. Zweitens ist der Film virtuos erzählt: Ein wenig verschachtelt, etwas stilisiert mit seiner Kapitelunterteilung, teilweise rasant und rasend komisch wie in der Zusammenfassung von Gwyneth Paltrows bisherigem Liebesleben. Dazu kommen noch viele kleine Einfälle am Rande wie zum Beispiel die TicTac-Pillen, die Gene Hackman als Medikamente ausgibt, oder die Schrott-Taxis, die immer vorfahren. Drittens kann man mit einer solchen Besetzung kaum fehlgehen. Anderson hat eine unglaubliche Ansammlung von Stars zusammenbekommen, die sich bestimmt nicht hätten engagieren lassen, wenn das Drehbuch Mist gewesen wäre. Der Vorteil ist dazu noch, dass alle gute Schauspieler sind und so eine tolle Ensembleleistung zu Stande kommt.

Allen voran brilliert der großartige Gene Hackman als Windhund und Oberhaupt der Tenenbaum-Familie. Dass er, der für seine Leistung mit dem Golden Globe geehrt wurde, nicht mal für den "Oscar" nominiert wurde, ist ein trauriger Witz. Mit seiner sympathischen Darstellung gibt er dem ganzen Film eine Klammer.

Wer intelligente, leise, ausgesprochen exzentrische Komödien mag, der wird bei "The Royal Tenenbaums" voll auf seine Kosten kommen. Lediglich gegen Ende in der Hochzeitssequenz geht der Handlung ein wenig die Luft aus, und es wird etwas albern. Doch den Gesamteindruck kann das nicht trüben.





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