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Apocalypse Now Redux
Apocalypse Now Redux
© Studiocanal

Kritik: Apocalypse Now (1979)


Es gibt wenige Filme, die irgendwo einen speziellen Punkt getroffen haben, der sie zu etwas ganz Besonderem macht. Filme, die eigentlich so nicht funktionieren dürften, es aber dennoch besser tun, als fast alle anderen. "Apocalypse Now!" ist genau so einer. Francis Ford Coppolas Meisterwerk hatte die wohl erschreckendste Entstehungsgeschichte, die je ein Film in Hollywood hatte und überzeugte vor allem durch das Fehlen einer wirklichen Handlung, denn der Film war ein rein emotionaler Tripp in die tiefste Seele der menschlichen Gemeinschaft. Mit der "Redux"-Fassung präsentiert Regisseur Coppola nun eine neue Fassung des Klassikers. Nach eigenen Aussagen konnte er damals nicht alles einbauen, da er befürchtete, den "Mainstream" vollkommen zu verlieren. Es gäbe sonst keine wirkliche Erzählstruktur mehr, die der Hollywood-Zuschauer aber brauche. Ob dies wirklich so stimmt, möchte ich bezweifeln. Man nehme nur einmal die hervorragende Dokumentation "The Heart of Darkness" von Coppolas Frau, die während der Dreharbeiten entstand: Manche Szenen, wie zum Beispiel die berüchtigte, nun als Kernelement eingefügte Plantagensequenz, hasste Coppola zu dieser Zeit. Sie wäre vollkommen misslungen, brüllte er. Warum sie jetzt eingefügt wurde, erscheint mir doch sehr fraglich. Will Coppola gerade mit den Kritiker-tauglichen Sprüchen von "Mainstream" und "kompromisslos" nicht doch eher rehabilitiert werden, nachdem er seit Jahren keinen großen neuen Film mehr erschaffen konnte? Gerade die Plantagensequenz ist zusammen mit einer weiteren langen Szene, bei der die Playboy-Girls näher betrachtet werden, der große Schwachpunkt von "Apocalypse Now! Redux". Beide Sequenzen funktionieren nur auf der intellektuellen Ebene, klären teilweise auch Dinge, die nicht geklärt werden sollten, da sie zuvor dem Mysterium "Apocalypse Now!" zuspielten. Gerade die Plantagenszene bricht mit dem Konzept des Gesamtwerkes, werden doch hier die Parolen ausgegraben, auf die man durch das Erlebnis des Filmes hätte selbst kommen sollen. Zudem stören die Szenen weniger den Erzählfluss, als die emotionale Stärke, die "Apocalypse Now!" ausmacht. Kurz vor dem großen dritten Akt wird der Rausch, in dem sich der Zuschauer befindet, rigoros gestoppt und durch Worte ersetzt. Die meisten anderen kleinen Zusätze stärken den Film aber. Hier merkt man wirklich, dass "Apocalpyse Now!" immer ein "Work in Progress" war. Dazu kommt die neue geniale Technik. Das Bild strotzt nur so vor brillanten Farben, der Ton wurde vollkommen neu aufgenommen und präsentiert sich in perfektem Surround-Klang. Hier hat jemand sehr gute Arbeit geleistet, der Film wurde noch einmal komplett durch die Post-Production gebracht. Alleine das technische Ergebnis macht auch die "Redux"-Fassung zu einem Kino-Muss. Wer es verpasst, ist kein echter Filmfan.




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