VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Chihiros Reise ins Zauberland
Chihiros Reise ins Zauberland
© Constantin Film

Kritik: Chihiros Reise ins Zauberland (2001)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Seit rund 40 Jahren ist der Japaner Hayao Miyazaki im Animationsgeschäft. Er zeichnete die Hintergründe für "Heidi", brachte als Regisseur "Future Boy Conan" auf die Mattscheibe, veröffentlichte Mangas wie die langlebige "Nausicaä"-Serie und schuf als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent mit seinem eigens gegründete Animationsstudio Ghibli eine kleine, feine Reihe von Animes, die schon heute als Klassiker gelten. Sein neuester Film "Chihiros Reise ins Zauberland" war in Japan erfolgreicher als "Titanic". Was für Miyazaki nichts neues ist: Immer wieder bricht er mit seinen Filmen die Einspielrekorde an japanischen Kinokassen. Zudem wurde "Chihiro" völlig zurecht bei der Berlinale 2002 als erster Zeichentrickfilm mit einem Goldenen Bären und dieses Jahr auch mit einem Oscar ausgezeichnet. Trotzdem findet der Animationsmeister in Deutschland so gut wie keine Beachtung – was schade ist, denn eine Entdeckungstour durch das Werk des Japaners lohnt sich. Anders als die Disney-Standardkost richten sich seine Filme nicht hauptsächlich an Kinder, sondern locken mit psychologisch ausgefeilten Charakteren und spannenden, häufig etwas melancholischen aber trotzdem lebensbejahenden Storys Erwachsene, Jugendliche und Kinder gleichermaßen in die Kinos.
Das gilt natürlich auch für "Chihiros Reise ins Zauberland": Der über zweistündige, größtenteils traditionell von Hand gezeichnete Anime vermag zu fesseln, obwohl er in gemütlichem Tempo erzählt wird und man auf schenkelklopfende Gags vergebens wartet. Dafür werden die Charaktere mit einer psychologischen Präzision gezeichnet, wie man sie auf der Leinwand selten erlebt. Die Story ist vielschichtig, lässt zahlreiche Interpretationen zu, kann aber auch ohne lange Deutungsversuche genossen werden. Tief taucht Miyazaki in japanische Mythen und Märchen ein und eröffnet dem westlichen Zuschauer den Blick auf eine Welt, wie er sie womöglich noch nie gesehen hat. Eine Welt, die zu allem Überfluss verflucht gut aussieht: Architektur, Muster und Ornamente sind mit einer Genauigkeit gezeichnet, die ihresgleichen sucht. Mit überbordender Fantasie wurde auch noch das letzte Eckchen im Hintergrund durchgestaltet. Hier zeigt sich, wie sehr ein Zeichentrickfilm tatsächlich Kunst sein kann. Ein Film, der das Potential hat all jenen die Augen zu öffnen, die Anime noch immer mit billig produzierten RTL II-Serien gleichsetzen. Reingehen und staunen! Nachtrag: Wer die detailreichen Einzelbilder des Films ein wenig genauer betrachten will, kann auf die von Carlsen Comic herausgegebene fünfteilige Manga-Serie "Spirited Away" zurückgreifen. Ebenfalls empfehlenswert ist der amerikanische Band "The Art of Spirited Away" (Viz Graphic Novels) mit großformatigen Bildern und Hintergrundinfos zu den Zeichnungen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.