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Wahnsinnig verliebt
Wahnsinnig verliebt
© Prokino

Kritik: Wahnsinnig verliebt (2002)


Geschichten, Erzählungen und eigene Erlebnisse sind das Produkt einer Wirklichkeitskonstruktion. Der Standpunkt und noch viel wichtiger Auslassungen können den Charakter der Abläufe in eine völlig andere Richtung verdrehen. Zunächst erscheint "Wahnsinnig verliebt" wie eine zuckersüße Liebesgeschichte zwischen einer harmlosen jungen Frau und einem Herzspezialisten. Etwa 35 Minuten lang zeigt Regisseurin Laetitia Colombani völlig banale Ereignisse dieser Traumwelt. Die beiden fahren Nachts zur Musik von Nat King Cole mit dem Auto nach Hause oder erleben einen Nachmittag im Park. Schließlich lässt der Arzt die junge Frau sitzen, woraufhin sie mit heftigem Hass reagiert. Um ihn zurückzugewinnen versucht sie, die Ehe des Herzspezialisten auseinander zu bringen. Als das nicht gelingt, unternimmt sie einen Selbstmordversuch. Colombani baut hier eine Welt aus der Sicht der jungen Frau auf, die in der Kürze der Zeit keine Tiefe entwickeln kann. Das reine Geschehen bleibt ohne nähere Beleuchtung aber belanglos und langweilig. Erst der zweite Teil des Films macht deutlich, dass dies mit voller Absicht geschah. Hier erzählt "Wahnsinnig verliebt" die gleichen Ereignisse noch einmal, aber aus der Sicht des Herzspezialisten. Plötzlich ergibt sich eine völlig andere, ungemein dramatischere Geschichte, bei der die Liebe der jungen Frau zu pathologischen Abgründen vordringt. Die Auslassungen der vorangegangenen Erzählung werden gefüllt, so das sich ein interessantes Spiel mit der Interpretation einzelner Ereignisse ergibt. Leider bricht die gewonnene Dramatik viel zu spät in den Film herein, um den belanglosen Anfang aufzuwerten. Hinzu kommt, dass die harmonische Welt des Beginns durch das künstliche Dauerlächeln von Audrey Tautou so unrealistisch konfliktfrei erscheint, dass sie unerträglich ist. Die aufkommende Dramatik bekommt deswegen anstatt eines Schreckensgesichtes etwas Heilsames verpasst. Das kann Colombani kaum gewollt haben.




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